Versucht Konsum unser Bedürfnis nach Sicherheit zu befriedigen?

Versucht Konsum unser Bedürfnis nach Sicherheit zu befriedigen?

Der Mensch liebt Illusionen, ja er hält sich quasi wie an einem Rettungsring daran fest. Zu dieser Erkenntnis gelange ich durch Erfahrungen vergangener Lebensjahre und schon länger beobachte ich, dass unsere Gesellschaft sogenannte Sicherheit vor Leben zu stellen.

Wie meine ich das?

Schauen wir uns mal in der Schweiz um. Selbst bin ich im Glauben gross geworden, mich gegen alle Eventualitäten versichern zu können. Also eher sollte oder muss ich das sogar, denn ohne diese kostenpflichtigen Extras, die mich an jeder Ecke anspringen, ist mein Sein hier wertreduziert. So wurde mir suggeriert. Ein Umstand, der mich fast von meiner Selbständigkeit abhielt und immer wieder an Aufgabe denken liess. Für alles und noch viel mehr gibt es in einer Hochburg an Versicherungen das passende Angebot. Abgedeckt wird, was Mensch sich vorstellen kann oder sogar über jede Fantasie hinaus.

 

«Äxgüsi», aber wer empfand bitte wirklich ernsthaft vor entsprechender Werbung eine zu schliessende Lebenslücke durch exakt diese fehlende Versicherung?

 

Da begegnet uns also immer wieder eine Versicherungsflut, die statt des gesunden Wochenmarkteinkaufs alternative Möglichkeit bieten, sich Gutes zu tun. Das ist zwar nicht Fokus dieses Artikels, dennoch möchte ich kurz nach Absurdistan-Hausen abbiegen. Bei meiner Recherche zu diesem Beitrag stolperte ich über zwei Versicherungen, von denen ich mich frage, wieviel Sinn ein Invest wertvoller Franken in diese wirklich bringt.

Beide sichern gegen zwei echt häufig im Alltag anzutreffende Wahrscheinlichkeiten ab, nämlich das Steckenbleiben im Fahrstuhl und der Fall, dass sich die Braut nicht traut. Dieser Illusion von Sicherheit im Modell Ehe bin ich persönlich schon mehr als einmal aufgesessen, war ich mit 34 doch schon zweifach geschieden. Hätte ich nur mal vorgesorgt und wäre direkt am Traualtar weggerannt, so hätte sich der jeweilige Mann durch die ausgezahlte Versicherungssumme garantiert gut getröstet… Es darf und soll also an keinem Mangel herrschen und wird an dieser Stelle bereits immer klarer: Für alles, was im Leben kommen mag, existiert die Lösung vor dem Problem. Mit Sicherheit.

 

Was bietet mir im Leben eigentlich Stabilität?

 

«Im Leben ist nix sicher, ausser dem Tod.» Diesen Satz verwende ich in Gesprächen oft und öfter, fast schon inflationär. Ja ich gebe zu, besonders in der Schweiz wird mir unter Garantie der Zusatz «und Steuern zahlen» entgegnet. Da bin ich zwar anderer Meinung, doch Glauben ist schlussendlich wie Hoffen, das darf jeder halten, wie er mag.

Dennoch ist diese Erkenntnis nun mal schlicht wahr und ich finde es besser, wenn wir temporären Wesen das heute denn morgen final realisieren. Leben ist immer jetzt, genau wie der richtige Moment für alles.

Grosses Glück oder tiefer Schmerz dieser Tatsache ist Fluch oder Segen, er bietet Schutz sowie Gefahr. Immer mal gerne in Gestalt eines neuen Hamsterrads, vielleicht sogar einem, welches wir nie wirklich verlassen können, da bin ich selbst noch ziemlich unsicher. Der Blick nach links und rechts lässt uns regelmässig glauben, dass hier ganz sicher noch irgendetwas fehlt bis zur Perfektion. Doch perfekt ist kein Zustand, sondern Illusion und so halten wir an einer Blase fest, die von aussen wunderschön glänzt. Woran ich mich immer mal wieder zu erinnern versuche? Pläne sind nix als Schäume und Schaum mag ich zwar in meiner goldenen Milch oder einem heissen Bad. Ansonsten komme ich jedoch besser ohne durch, da nur so mein Blick glasklar bleibt.

 

Nur mit den Versicherungen rund um den Tod könnten wir hier bestimmt schon eine gute Seite füllen. Ironisch finde ich in diesem vielfältigen Angebot die Lebensversicherung, kommt sie doch tatsächlich erst nach unserem Tod zum Einsatz. Da hab ich persönlich viel davon, wenn ich vor lauter Rechnungen bezahlen schlicht zu leben vergass und dies nach meinem Ableben dann könnte. Ehrlicher ist da immerhin die Sterbegeldversicherung, wenn jedoch selbst dieser Titel noch schwammige Kommunikation darstellt. Doch es ist wie es ist und so höre ich auch öfter ganz trocken von Chris: «Deine Wort-Präzision beherbergt irgendwie Alltagshürden.»

 

Bei allem Wahnsinn sind wir nun mal keine Eremiten und selbst wenn ich manchmal seufzend stöhne und mich genau danach sehne, kann ich es mir kaum vorstellen, einsam in einer Hütte im Wald sitzend auf das Ende meiner Tage zu warten. Mir alleine zwar oft genug, lebt mein Antrieb und meine Kreativität doch von Beobachtung und Austausch mit anderen Geschöpfen, darunter auch Menschen.

Kritisch ist und bleibt jedoch das Konsumverhalten ebendieser breiten Masse zu betrachten. Was wir gerne «die Gesellschaft» nennen, ist eine Masse an Individuen. Dir und mir, uns allen. Statt gegenseitig Sicherheit und Halt zu vermitteln, verbindet uns unter der Maske angeblicher Individualität alle das Streben, tiefe innere Sehnsüchte zu befriedigen. Es einen uns die gleichen Grundbedürfnisse und eben diese einzige Sicherheit der Endlichkeit. Verbindend die Handlungen gesteuert nach aussen, ähnlich die Wertegerüste, aufgebaut auf kulturellen wie persönlichen Hintergründen.

Bewusste Achtsamkeit als möglicher Schlüssel?

«Wenn, dann»- Verknüpfungen ziehen als perfide Laufmasche durch unser Leben und du kennst das bestimmt: Ob ein zu erreichendes Ziel, ein beendet gewünschter Zustand. Beides begleitet durch richtungsweisende Aussagen wie: «Wenn ich endlich befördert werde, dann gönne ich mir den Urlaub auf den Malediven.»

 

In der Zeit dazwischen geht gerne vergessen, in welch wunderschöner Umgebung wir wohnen. Das Universum direkt vor der eigenen Haustüre liegt, oft genug schöner als das vermeintliche und weit entfernte Paradies oder jeder unendlich wirkende Sandstrand. Da wir ebenfalls eines der reichsten Länder der Welt sind, können wir es uns (noch) leisten, diese Schmerzensgeld-Projektionen zu realisieren, Nachhaltigkeit auf andere (die Grossen) zu schieben und uns immer mal wieder von Verantwortung frei zu kaufen. Doch ist das wirklich die Lösung oder verschiebt es unsere Suche nach möglichen Antworten auf ein später, welches vielleicht weniger prickelnd wird, als erwünscht? Keinesfalls möchte ich hier zu gesellschaftskritisch auftreten und mir ist bewusst, dass alles immer bei einem selbst beginnt und endet, der einzige Ort, an dem echte Veränderung möglich ist. Eine Hintergrundbeleuchtung ist mir für kurzes Rampenlicht dennoch wichtig: Unser jeweiliger Status Quo verschiebt sich mit jedem glückseligen Momentum, wodurch eine konstante Entfremdung von ihm stattfindet. Es gibt also DAS eine Glück, die ABSOLUTE Zufriedenheit nirgends zu finden, bis auf da, wo wir gerade sind. Da sind wir nämlich richtig, sonst wären wir woanders.

 

Macht das denn alles überhaupt Sinn?

 

Die Suche nach dem einen richtigen Sinn des Lebens eint uns wohl alle und der seit Jahren anherrschende hippe Trend scheint kaum so rasch abzureissen. Ehrlich gesagt habe ich mich selbst lange nach ihm gesehnt und ihn an allen möglichen Orten gesucht. Meine Suche war natürlich eine lllusion, doch gut suggeriert ist halb gekauft. Trotz stetiger Reflektion und so mancher Ausbildung war ich selbst jahrelang nicht davor gefeit, von einem Konsumrausch zum nächsten Shoppingtrip zu taumeln oder mich für Kurztrips ins Flugzeug zu setzen. Ein freier Tag war erst zu Ende, wenn das Einkaufszentrum besucht war, das Wochenende wurde oft und gerne woanders verbracht.

Durch meine Begegnungen mit dem Tod sowie einer intensiven Auseinandersetzung mit der Endlichkeit habe ich heute meinen eigenen persönlichen Umgang mit jeder Form des Konsums gefunden und hinterfrage meinen eigenen immer wieder. Denn bei allem Denken und Handeln bleibt klar: Nach fertig. Geht es immer weiter.

 

 

Was würde Chris dazu sagen?

 

Im Streben nach höher, schneller und mehr manifestiert sich gewiss eine unbewusst menschliche Suche nach Sicherheit. Dieser ist letztendlich aber nie gewahr zu werden.

Trotzdem versuchen wir die Orientierung an ihr, um die vermeintliche Sicherheit wenigstens zu spüren – in einer Welt jedoch, die keine bietet. Und zwar als scheinbare Absicherung gegen das unwegsame Leben und einem ständig möglichen Strich durch die Rechnung. Darum umgeben wir uns auch mit Dingen und anderen Verbindlichkeiten, weil wir in einer unsicheren Welt sicher sein wollen, niemals zu wenig zu haben. In diesem Streben nach dem endlosen Mehr laufen wir im Akkumulationsprozess aber trotzdem immer Gefahr, alles auch jederzeit wieder zu verlieren.

Aus diesem Zusammenhang und der gefühlten Vorstellung eines nicht genug, speisen sich auch Beziehungen und das tägliche Gebaren in einer auf Sicherheit ausgerichteten Welt. Die Folge ist ein Festhalten und nicht loslassen wollen von antrainierten Verhaltensweisen, die der persönlichen Freiheit jedoch im Wege stehen. So verharren wir lethargisch in Konstellationen, die längst überfällig geworden sind. Meistens geschieht dies aus Mangeldenken und dem Bedürfnis nach Sicherheit, manifestiert im stets berauschenden Konsum des unmittelbar Habbaren. Um aber aus dem Alten raus und ins Neue reinzukommen braucht es ein Umdenken, damit der Weg zu einem inneren Mehr auch tatsächlich gegangen werden kann, um nicht durch äußeres Konsumieren in ungewisser Sicherheit fortwährend bloß auf der Stelle zu treten. 

 

Wer ist Chris?

Fragenstellender Verstand, der sich mutig einer unvernünftig wirkenden Intuition (Sabrina) entgegensetzt. Reflektierter Sparringpartner und achtsamer Mensch.

 

Du findest beide am Lagerfeuer

Sabrina und Chris treffen sich regelmässig im LIVE Podcast «LagerfeuerMomente» zum offenen Austausch mit Substanz. Gleichberechtigung und Augenhöhe leben sie, statt darüber zu sprechen. Ansonsten gilt: keine Tabus.

So viel sie verbindet, trennt sie auch. Beide leben zwar den minimalistischen Ansatz, vertreten jedoch öfters verschiedene Perspektiven. Der eine trifft Entscheidungen aus dem Verstand, die andere lässt Intuition leiten. Ihr beruflicher Background teilt sich die Branche, doch die Erfahrungen gehen bei der ersten Weggabelung auseinander.

Trotz aller Unterschiede und sich befruchtender Muster: Sie mögen und schätzen den jeweils anderen, gehen durch dick und dünn, muten sich zu und halten aus. Verschiedene Nationalitäten, Geschlechter, Erfahrungen und Ansichten halten ihre Dynamik hoch und du erfährst dadurch im Podcast so manche Erkenntnis für das Allein sein und dennoch im Miteinander leben. Einsamkeit war gestern, heute ist gemeinsam stark.

Wie du mit Menschen und ihren Veränderungen umgehen kannst

Wie du mit Menschen und ihren Veränderungen umgehen kannst

Dieser Artikel erschien ursprünglich in einem meiner vorherigen Blogs sowie – wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht – in meinem allerersten eBook von April 2020. (Das findest du, wenn du Suchmaschinenrecherche betreibst oder bei mir nachfragst.) Nun habe ich mich am Pfingstsonntag an den Küchentisch gesetzt und ihn etwas umgeschrieben. Dies ist also die neue Version meiner Gedanken:

 

Wenn sich Menschen verändern

Aufgrund meiner Berufe durfte und darf ich seit jeher immer wieder neue Menschen kennenlernen, welche mit ihren Fragen an mich herantreten. In meiner Arbeit als Trauerbegleiterin begegnete mir von einem Kontakt diese Frage und da ich denke, dass dieser Gedanke einige Menschen umtreibt, versuche ich in diesem Artikel näher darauf einzugehen.

«Wie gehe ich damit um, wenn sich ein Mensch durch eine Krankheit so stark verändert, dass die geliebte Person bereits vor dem Tod verloren geht?»

 

Der Auslöser für diesen Text ist ein Vater, welcher sich durch Parkinson nach und nach verändert. Aus diesem Grund sind die unten aufgeführten Beispiele auf die Vaterfigur bezogen. Selbstverständlich sind sie allgemeingültig und verlieren ebenfalls keine Bedeutung, wenn sich ein Mensch „aus freien Stücken“ verändert. Dies geschieht beispielsweise durch die bewusste Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit oder auf dem Weg zum selbständigen Unternehmer. Bekannte Verhaltensmuster zu verändern, kann für das Umfeld teilweise befremdlich wirken und verdrängte Befürchtungen aufzeigen. Wie so oft, hilft hier gegenseitiges Verständnis und die Akzeptanz der steten Veränderung eröffnet neue gemeinsame Chancen. 

 

Alles neu und doch bekannt

Du kennst vielleicht aus eigener direkter oder indirekter Betroffenheit selbst Situationen, in denen nahestehende Personen mit sogenannten Schicksalsschlägen konfrontiert werden: Der Mann einer Freundin ist an Demenz erkrankt. Ein Bekannter bekam kurz nach seiner Rente die Krebsdiagnose. Deine ehemalige Ausbilderin rief beim letzten Zusammentreffen unzusammenhängende Sätze über den Bahnhofsvorplatz. Überfordernd im ersten Moment, ich weiss. Im zweiten, in Reflektion zuhause, wünscht man sich dann oft, anders reagiert zu haben. Doch Sprachlosigkeit ist normal, wenn das System mit neuen Botschaften konfrontiert wird. 

Viele Krankheiten verändern das Verhalten von Menschen, welche wir seit Jahren zu kennen glauben. Lange habe ich mich vor dem Schreiben dieses Artikels gedrückt, denn meine persönliche Betroffenheit kommt hier ebenfalls an die Oberfläche. Meine Mama hatte während meiner Jugend schwere depressive Phasen. Diese wurden irgendwann von psychotischen Zuständen, vergleichbar mit einer Schizophrenie, abgelöst. In dieser Zeit war sie weder sich selbst, noch verhielt sie sich mir gegenüber wie eine Mutter. Somit ist mir dieses Phänomen bestens bekannt und die Komplexität sehr vertraut. Ebenso kenne ich aus meiner Vergangenheit trübe Phasen von depressiver Verstimmung und verzweifelter Hoffnungslosigkeit. 

So manche Krankheit lässt bekannte Wesenszüge verschwinden. Nebst psychischen Erkrankungen weisen leider viele weitere Erkrankungen steigende Zahlen auf. Sei dies Krebs, begleitet von wesensverändernden Schmerzen. Tumore, welche auf das zentrale Nervensystem drücken, die Abhängigkeit von Substanzen. Bekannte Autoimmunerkrankungen oder ihnen im Verlauf ähnliche, so wie eben Parkinson. Oft genug rufen auch Wirkung und Nebenwirkung eingenommener Medikamente eine Persönlichkeitsveränderung hervor. 

 

Wie gehst Du also damit um, wenn du dich nach und nach von einem Menschen verabschiedest?

 

Raum für Erinnerungen schaffen

Erinnerungen sind das wertvollste Gut deines Lebens. Diese festzuhalten und aufzubereiten, ist unendlich kostbarer Bestandteil des Alltags. Vielleicht ist es dir sogar möglich, bei aktuellen Begegnungen neue Erinnerungen zu schaffen oder bestehende in einer passenden Form nochmals zu erleben. Dies gelingt zum Beispiel bei der Gestaltung eines Fotoalbums, welches ganz klassisch mit Schere, Leim und dickem Buch oder aber etwas moderner als Onlineversion gestaltet werden kann. Diese Tätigkeit kann mit der ganzen Familie zusammen erlebt werden. Vielleicht nutzt ihr sie sogar als Ritual? 

Gemeinsame Erinnerungsstücke überall dort zu verteilen, wo sich die betroffenen Person aufhält, kann sehr wirkungsvoll sein. So besteht die Möglichkeit, sich immer wieder an Erlebnisse zu erinnern, welche das Herz berühren. Es wird nämlich angenommen, dass tiefe Herzens-Verbindungen selbst dann gespürt werden, wenn sich im Aussen vieles verändert hat.

 

  

Gefühle zulassen 

Die Krankheit, welche sich ungefragt ins Leben schlich, macht oftmals wütend. Wut hat durchaus positive Eigenschaften, wenn diese dann doch eher den zweiten Blick benötigen und in unserer Gesellschaft eher aberkannt werden. Ein bekannter Aspekt ist jedoch, dass sie gerne dort deponiert wird, wo sie unnötigen Schaden anrichtet. Der dir gegenüberstehende Mensch hat sich diese Situation genau so wenig ausgesucht wie du. Wenn du also bemerkst, wütend zu sein oder werden, besuche die betroffene Person vielleicht etwas weniger als sonst oder verlasse gegebenenfalls den Raum. Du unterstützt mehr, wenn du etwas unternimmst, was dir selbst guttut. Gib deiner Wut ihren Raum. Vielleicht gehst du spazieren oder absolvierst eine Runde Kickboxen. Wonach immer Dir der Kopf steht: Dadurch reduzierst du die Gefahr mit deiner Wut emotionale Verletzungen zuzufügen.

 

Das Gleiche gilt für Momente der Traurigkeit. Trauerphasen treten nicht zwingend erst nach einem Verlust auf. Wenn du traurig bist, lass es zu. Es gibt jeden Grund, so zu fühlen. Denn auch wenn die geliebte Person weiterlebt, stirbt dennoch ein Teil von ihr. Diesen Verlust bewusst anzunehmen, hilft bei der Verarbeitung des Geschehenen. 

 

Vergissmeinnicht

Dies gilt für alles. Deine Gefühle, Deine Intuition und Deine Wahrnehmung. Lass Dir von niemandem einreden, dass du etwas falsch interpretierst. Wenn Du Deine eigene Wahrheit spürst, gewähre ihr Raum. Niemand kennt deine persönliche Sicht auf die Geschehnisse besser als du. Daher musst du dich für deine Ansichten weder rechtfertigen noch für getroffene Entscheidungen erklären. All das gilt übrigens immer – nicht nur in Ausnahmesituationen. 

Für einen gesunden Umgang mit Emotionen empfiehlt sich, die eigenen persönlichen Bedürfnisse nicht zu vergessen. Plane aktiv Pausen ein und versuche diese einzuhalten. Es hilft niemandem, wenn du dich an übermenschlichen Leistungen versuchst. Irgendwann wird sogar deine Energie verbraucht sein, doch dein Zusammenbruch kann dann keiner auffangen oder er führt zu einer unnötigen selbstverursachten Belastung. 


Versuche stattdessen ganz ehrlich mit deinen Kräften umzugehen und fordere rechtzeitig konkrete Unterstützung an. Dein Körper und Geist sind tatsächlich zu Höchstleistungen fähig. Jedoch hat jeder Akku seine Ladezeiten, sonst macht er schlapp. Sei also zu dir selbst nicht strenger als zu Deinem Smartphone. In der Regel freut sich Dein Umfeld über Unterstützungsmöglichkeiten. Helfen ist ein urmenschliches Bedürfnis. Doch nur wo dies zugelassen wird, können Wunder geschehen.  

 

An dieser Stelle mache ich auf die inspirierende Geschichte von Christine Braunmiller aufmerksam. Sie begleitete ihren Mann nach einem Hirninfarkt bis zu seinem Tod. In dieser Zeit war sie, wie sie selbst sagt „absolut am Limit und musste trotzdem das Rad am Laufen halten“. Ihr half dabei Qi Gong. Vielleicht magst du sie und ihre Geschichte kennenlernen, dann kannst du das auf ihrer Webseite. 

 

 

Abschied und Neuanfang

 

Es ist ein Balanceakt. Durch die Krankheit verlierst du den Menschen zu einem gewissen Teil. Was ihn bisher ausmachte, wird sich langsam verabschieden. Es kann helfen deinen Abschied mit Ritualen zu unterstützen. Gleichzeitig hilfst du damit der neuen Persönlichkeit deines Gegenübers. Wenn sich Verhaltensweisen verabschieden, kommen oftmals neue dazu. Diese zu akzeptieren, fällt oft schwer. Der Mensch hat gerne Einfluss, doch hier wird dieser durch Krankheit genommen. Versuche die Wünsche, Selbstbestimmung und Veränderung anzunehmen. Du darfst neue Erlebnisse bewusst wahrnehmen und entstehenden Gefühlen ihren Raum gewähren. Wenn Du es schaffst, mit möglichst wenig Vergleichen oder Bewertungen vorzugehen, ermöglichst Du neue Erinnerungen, welche ebenfalls sehr wertvoll sind.

 

Transparenz

Oftmals sind wir so stark durch unser eigenes Gedankenkarussell eingenommen, dass wir schlicht vergessen, die direkt betroffene Person miteinzubeziehen. Dies erachte ich jedoch als essenziell. Durch Schweigen wird nix leichter. Im Gegenteil: So gut du den betroffenen Menschen kennst, wird er wahrscheinlich auch dich kennen. Somit bemerkt er bestimmt sofort, wenn du etwas verschweigst. Das Ding ist jedoch: Wo Geheimnisse sind, entsteht Raum für Spekulationen. Diese beheimaten meist unnötige und destruktive Gedanken und Gefühle und diese schaffen in Kürze neue Realitäten. Durch klärende Gespräche können solche Gefahren gebannt und das gegenseitige Verständnis intensiviert werden.

 

Perspektivwechsel

Nebst all den erschwerenden Aspekten verbirgt sich hier ein Geschenk. Nämlich die Chance, des noch besseren Kennenlernens, sich erinnern und bewusst Abschied nehmen zu dürfen. Klar, diesen Umstand kannst du kaum jeden Tag aus dieser Perspektive betrachten. Es hilft jedoch, den Gedanken zuzulassen und den Fokus zu verändern. Weg von dem, was du alles verlierst, hin zur Erkenntnis, wie schön es ist, diese Situation gemeinsam zu meistern. Wenn auch vielleicht jeder für sich.  

 

 

Im Endeffekt gelten diese Beispiele oben für jede Situation, nicht nur bei Krankheit. Unabhängig davon, ob eine Person bereits gestorben ist oder noch komplett gesund hier weilt. Sich bewusst zu werden, wie unendlich kostbar diese Momente sind, erfüllt mit tiefer Dankbarkeit. Das Geschenk von Liebe wiegt auf, was die Zukunft bringt. Darum bleibt am Ende des Tages diese Liebe allumfassend gültig. Zeige deinen Mitmenschen, was du für sie empfindest. Solange, oft und ehrlich du kannst. Unabhängig der Weihnachtszeit oder anderen Faktoren wie Stress, Streit und Befürchtungen.

 

Alles Liebe.
Bedingunglos.

Sabrina

PS:
Wer aus Liebe zusammen fand, kann sich nie verlieren.

Was würde Chris dazu sagen?

Was würde Chris dazu sagen?

Sabrina fragt: 

Wie kann das Vermissen eines besonderen Menschen erträglich gestaltet werden?


Chris antwortet: 

In vertrauender Gelassenheit bei sich selbst zu bleiben, statt im Außen nach der Vermissung als Wundermittel gegen die eigenen Befindlichkeiten zu suchen, ist der Grundstein für das selbstwirksame Aushalten dessen was ist. Einer unbeständigen Welt zum Trotz bleibt man daher idealerweise selbst die wichtigste Konstante. Diese ist im eigenen Rahmen kontrollierbar und an ihr läßt sich ausrichten, möchte man Unabhängigkeit gegen Bedürftigkeit nicht tauschen und sich von Umständen tangieren lassen, die nicht zu beeinflussen sind.

 

Statt die Vermissung auf einen besonderen Menschen zu projizieren, darf das Objektiv lieber weit gestellt bleiben, um die Möglichkeiten zu sehen, die unter weiteren 7 Milliarden Menschen potentiell auf einen warten. Sollte auch hier kein Ausgleich zu finden sein, um die eigengedankliche Welt von gelebter Teilhabe zu befrieden, ist letztendlich zu akzeptieren, dass Menschliches vergänglich und niemals zu besitzen ist. Freue man sich stattdessen an schon gemeinsam verbrachter Zeit und der zu Lebzeiten noch realen Chance im Jetzt, eben jenen Erfahrungshorizont beim nächsten Wiedersehen zu erweitern.

 

Wie ist die Perspektive von Sabrina?

Vermissung gehört zu meinem Leben als Künstlerin. Wie alle Empfindungen darf sie sein und gefühlt werden. Besondere Menschen vermisse ich frei von Projektion, sondern dieses Gefühl hilft mir dabei, zu erkennen, wo ich mein Leben träume statt meine Träume zu leben. Dafür stehe und gehe ich: Um Träume wahr werden zu lassen.

Auf diesem meinem Weg bleibe ich mir zu jeder Zeit treu. Was natürlich kleine Irr- oder Umwege nie aussschliesst. Ebenfalls ist da die Möglichkeit inkludiert in Gelassenheit bei mir zu bleiben und gleichzeitig Raum für Menschen offen zu lassen, die mir nahe kommen dürfen. Dieser Raum ist klein, daher haben nur wenige Menschen darin Platz, um mein bereits sehr gutes und erfülltes Leben gemeinsam eine Nuance farbiger zu gestalten. Nicht mehr, aber auch ganz bestimmt nie weniger. Lange Zeit habe ich diese Tür verschlossen und zusätzlich mit einer Metallstange gesichert. Diese Tage sind unwiderruflich dabei und ich zahle den Preis dafür gerne.

Gemachte Erfahrungen haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Es steht ihnen jedoch keinesfalls frei, zu verhindern, dass ich zu der Person werde, die ich noch werden kann.

Da ich mich mit dem Tod intensiv auseinandergesetzt habe, ist für mich so klar wie nur etwas: Es gibt immer ein Wiedersehen und auch in der Zeit dazwischen ist verbunden, was zusammengehört. Wir kennen die Regeln: Das, was in bedingungsloser Liebe zueinander fand, findet sich immer. Egal wie, wo, wann.

 

 

Wer ist Chris Diekers?

DialogRaum-Geber – Diamantenschleifender Prozessbeschleuniger – Spezialist für Introsensibles –
Werteorientierter Menschenfreund – Hochsensibler Lebensvereinfacher – Reisebegleiter zum Freiheitfinden –
Minimal-Coach für das Wesentliche – Realitätsgestaltender Selbstentwickler 

 


Dich interessiert, welche Gedanken Chris zu deinen Fragen kommen?

Dann erfahre hier mehr über sein Angebot.