Versucht Konsum unser Bedürfnis nach Sicherheit zu befriedigen?

Versucht Konsum unser Bedürfnis nach Sicherheit zu befriedigen?

Der Mensch liebt Illusionen, ja er hält sich quasi wie an einem Rettungsring daran fest. Zu dieser Erkenntnis gelange ich durch Erfahrungen vergangener Lebensjahre und schon länger beobachte ich, dass unsere Gesellschaft sogenannte Sicherheit vor Leben zu stellen.

Wie meine ich das?

Schauen wir uns mal in der Schweiz um. Selbst bin ich im Glauben gross geworden, mich gegen alle Eventualitäten versichern zu können. Also eher sollte oder muss ich das sogar, denn ohne diese kostenpflichtigen Extras, die mich an jeder Ecke anspringen, ist mein Sein hier wertreduziert. So wurde mir suggeriert. Ein Umstand, der mich fast von meiner Selbständigkeit abhielt und immer wieder an Aufgabe denken liess. Für alles und noch viel mehr gibt es in einer Hochburg an Versicherungen das passende Angebot. Abgedeckt wird, was Mensch sich vorstellen kann oder sogar über jede Fantasie hinaus.

 

«Äxgüsi», aber wer empfand bitte wirklich ernsthaft vor entsprechender Werbung eine zu schliessende Lebenslücke durch exakt diese fehlende Versicherung?

 

Da begegnet uns also immer wieder eine Versicherungsflut, die statt des gesunden Wochenmarkteinkaufs alternative Möglichkeit bieten, sich Gutes zu tun. Das ist zwar nicht Fokus dieses Artikels, dennoch möchte ich kurz nach Absurdistan-Hausen abbiegen. Bei meiner Recherche zu diesem Beitrag stolperte ich über zwei Versicherungen, von denen ich mich frage, wieviel Sinn ein Invest wertvoller Franken in diese wirklich bringt.

Beide sichern gegen zwei echt häufig im Alltag anzutreffende Wahrscheinlichkeiten ab, nämlich das Steckenbleiben im Fahrstuhl und der Fall, dass sich die Braut nicht traut. Dieser Illusion von Sicherheit im Modell Ehe bin ich persönlich schon mehr als einmal aufgesessen, war ich mit 34 doch schon zweifach geschieden. Hätte ich nur mal vorgesorgt und wäre direkt am Traualtar weggerannt, so hätte sich der jeweilige Mann durch die ausgezahlte Versicherungssumme garantiert gut getröstet… Es darf und soll also an keinem Mangel herrschen und wird an dieser Stelle bereits immer klarer: Für alles, was im Leben kommen mag, existiert die Lösung vor dem Problem. Mit Sicherheit.

 

Was bietet mir im Leben eigentlich Stabilität?

 

«Im Leben ist nix sicher, ausser dem Tod.» Diesen Satz verwende ich in Gesprächen oft und öfter, fast schon inflationär. Ja ich gebe zu, besonders in der Schweiz wird mir unter Garantie der Zusatz «und Steuern zahlen» entgegnet. Da bin ich zwar anderer Meinung, doch Glauben ist schlussendlich wie Hoffen, das darf jeder halten, wie er mag.

Dennoch ist diese Erkenntnis nun mal schlicht wahr und ich finde es besser, wenn wir temporären Wesen das heute denn morgen final realisieren. Leben ist immer jetzt, genau wie der richtige Moment für alles.

Grosses Glück oder tiefer Schmerz dieser Tatsache ist Fluch oder Segen, er bietet Schutz sowie Gefahr. Immer mal gerne in Gestalt eines neuen Hamsterrads, vielleicht sogar einem, welches wir nie wirklich verlassen können, da bin ich selbst noch ziemlich unsicher. Der Blick nach links und rechts lässt uns regelmässig glauben, dass hier ganz sicher noch irgendetwas fehlt bis zur Perfektion. Doch perfekt ist kein Zustand, sondern Illusion und so halten wir an einer Blase fest, die von aussen wunderschön glänzt. Woran ich mich immer mal wieder zu erinnern versuche? Pläne sind nix als Schäume und Schaum mag ich zwar in meiner goldenen Milch oder einem heissen Bad. Ansonsten komme ich jedoch besser ohne durch, da nur so mein Blick glasklar bleibt.

 

Nur mit den Versicherungen rund um den Tod könnten wir hier bestimmt schon eine gute Seite füllen. Ironisch finde ich in diesem vielfältigen Angebot die Lebensversicherung, kommt sie doch tatsächlich erst nach unserem Tod zum Einsatz. Da hab ich persönlich viel davon, wenn ich vor lauter Rechnungen bezahlen schlicht zu leben vergass und dies nach meinem Ableben dann könnte. Ehrlicher ist da immerhin die Sterbegeldversicherung, wenn jedoch selbst dieser Titel noch schwammige Kommunikation darstellt. Doch es ist wie es ist und so höre ich auch öfter ganz trocken von Chris: «Deine Wort-Präzision beherbergt irgendwie Alltagshürden.»

 

Bei allem Wahnsinn sind wir nun mal keine Eremiten und selbst wenn ich manchmal seufzend stöhne und mich genau danach sehne, kann ich es mir kaum vorstellen, einsam in einer Hütte im Wald sitzend auf das Ende meiner Tage zu warten. Mir alleine zwar oft genug, lebt mein Antrieb und meine Kreativität doch von Beobachtung und Austausch mit anderen Geschöpfen, darunter auch Menschen.

Kritisch ist und bleibt jedoch das Konsumverhalten ebendieser breiten Masse zu betrachten. Was wir gerne «die Gesellschaft» nennen, ist eine Masse an Individuen. Dir und mir, uns allen. Statt gegenseitig Sicherheit und Halt zu vermitteln, verbindet uns unter der Maske angeblicher Individualität alle das Streben, tiefe innere Sehnsüchte zu befriedigen. Es einen uns die gleichen Grundbedürfnisse und eben diese einzige Sicherheit der Endlichkeit. Verbindend die Handlungen gesteuert nach aussen, ähnlich die Wertegerüste, aufgebaut auf kulturellen wie persönlichen Hintergründen.

Bewusste Achtsamkeit als möglicher Schlüssel?

«Wenn, dann»- Verknüpfungen ziehen als perfide Laufmasche durch unser Leben und du kennst das bestimmt: Ob ein zu erreichendes Ziel, ein beendet gewünschter Zustand. Beides begleitet durch richtungsweisende Aussagen wie: «Wenn ich endlich befördert werde, dann gönne ich mir den Urlaub auf den Malediven.»

 

In der Zeit dazwischen geht gerne vergessen, in welch wunderschöner Umgebung wir wohnen. Das Universum direkt vor der eigenen Haustüre liegt, oft genug schöner als das vermeintliche und weit entfernte Paradies oder jeder unendlich wirkende Sandstrand. Da wir ebenfalls eines der reichsten Länder der Welt sind, können wir es uns (noch) leisten, diese Schmerzensgeld-Projektionen zu realisieren, Nachhaltigkeit auf andere (die Grossen) zu schieben und uns immer mal wieder von Verantwortung frei zu kaufen. Doch ist das wirklich die Lösung oder verschiebt es unsere Suche nach möglichen Antworten auf ein später, welches vielleicht weniger prickelnd wird, als erwünscht? Keinesfalls möchte ich hier zu gesellschaftskritisch auftreten und mir ist bewusst, dass alles immer bei einem selbst beginnt und endet, der einzige Ort, an dem echte Veränderung möglich ist. Eine Hintergrundbeleuchtung ist mir für kurzes Rampenlicht dennoch wichtig: Unser jeweiliger Status Quo verschiebt sich mit jedem glückseligen Momentum, wodurch eine konstante Entfremdung von ihm stattfindet. Es gibt also DAS eine Glück, die ABSOLUTE Zufriedenheit nirgends zu finden, bis auf da, wo wir gerade sind. Da sind wir nämlich richtig, sonst wären wir woanders.

 

Macht das denn alles überhaupt Sinn?

 

Die Suche nach dem einen richtigen Sinn des Lebens eint uns wohl alle und der seit Jahren anherrschende hippe Trend scheint kaum so rasch abzureissen. Ehrlich gesagt habe ich mich selbst lange nach ihm gesehnt und ihn an allen möglichen Orten gesucht. Meine Suche war natürlich eine lllusion, doch gut suggeriert ist halb gekauft. Trotz stetiger Reflektion und so mancher Ausbildung war ich selbst jahrelang nicht davor gefeit, von einem Konsumrausch zum nächsten Shoppingtrip zu taumeln oder mich für Kurztrips ins Flugzeug zu setzen. Ein freier Tag war erst zu Ende, wenn das Einkaufszentrum besucht war, das Wochenende wurde oft und gerne woanders verbracht.

Durch meine Begegnungen mit dem Tod sowie einer intensiven Auseinandersetzung mit der Endlichkeit habe ich heute meinen eigenen persönlichen Umgang mit jeder Form des Konsums gefunden und hinterfrage meinen eigenen immer wieder. Denn bei allem Denken und Handeln bleibt klar: Nach fertig. Geht es immer weiter.

 

 

Was würde Chris dazu sagen?

 

Im Streben nach höher, schneller und mehr manifestiert sich gewiss eine unbewusst menschliche Suche nach Sicherheit. Dieser ist letztendlich aber nie gewahr zu werden.

Trotzdem versuchen wir die Orientierung an ihr, um die vermeintliche Sicherheit wenigstens zu spüren – in einer Welt jedoch, die keine bietet. Und zwar als scheinbare Absicherung gegen das unwegsame Leben und einem ständig möglichen Strich durch die Rechnung. Darum umgeben wir uns auch mit Dingen und anderen Verbindlichkeiten, weil wir in einer unsicheren Welt sicher sein wollen, niemals zu wenig zu haben. In diesem Streben nach dem endlosen Mehr laufen wir im Akkumulationsprozess aber trotzdem immer Gefahr, alles auch jederzeit wieder zu verlieren.

Aus diesem Zusammenhang und der gefühlten Vorstellung eines nicht genug, speisen sich auch Beziehungen und das tägliche Gebaren in einer auf Sicherheit ausgerichteten Welt. Die Folge ist ein Festhalten und nicht loslassen wollen von antrainierten Verhaltensweisen, die der persönlichen Freiheit jedoch im Wege stehen. So verharren wir lethargisch in Konstellationen, die längst überfällig geworden sind. Meistens geschieht dies aus Mangeldenken und dem Bedürfnis nach Sicherheit, manifestiert im stets berauschenden Konsum des unmittelbar Habbaren. Um aber aus dem Alten raus und ins Neue reinzukommen braucht es ein Umdenken, damit der Weg zu einem inneren Mehr auch tatsächlich gegangen werden kann, um nicht durch äußeres Konsumieren in ungewisser Sicherheit fortwährend bloß auf der Stelle zu treten. 

 

Wer ist Chris?

Fragenstellender Verstand, der sich mutig einer unvernünftig wirkenden Intuition (Sabrina) entgegensetzt. Reflektierter Sparringpartner und achtsamer Mensch.

 

Du findest beide am Lagerfeuer

Sabrina und Chris treffen sich regelmässig im LIVE Podcast «LagerfeuerMomente» zum offenen Austausch mit Substanz. Gleichberechtigung und Augenhöhe leben sie, statt darüber zu sprechen. Ansonsten gilt: keine Tabus.

So viel sie verbindet, trennt sie auch. Beide leben zwar den minimalistischen Ansatz, vertreten jedoch öfters verschiedene Perspektiven. Der eine trifft Entscheidungen aus dem Verstand, die andere lässt Intuition leiten. Ihr beruflicher Background teilt sich die Branche, doch die Erfahrungen gehen bei der ersten Weggabelung auseinander.

Trotz aller Unterschiede und sich befruchtender Muster: Sie mögen und schätzen den jeweils anderen, gehen durch dick und dünn, muten sich zu und halten aus. Verschiedene Nationalitäten, Geschlechter, Erfahrungen und Ansichten halten ihre Dynamik hoch und du erfährst dadurch im Podcast so manche Erkenntnis für das Allein sein und dennoch im Miteinander leben. Einsamkeit war gestern, heute ist gemeinsam stark.

Wie du mit Menschen und ihren Veränderungen umgehen kannst

Wie du mit Menschen und ihren Veränderungen umgehen kannst

Dieser Artikel erschien ursprünglich in einem meiner vorherigen Blogs sowie – wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht – in meinem allerersten eBook von April 2020. (Das findest du, wenn du Suchmaschinenrecherche betreibst oder bei mir nachfragst.) Nun habe ich mich am Pfingstsonntag an den Küchentisch gesetzt und ihn etwas umgeschrieben. Dies ist also die neue Version meiner Gedanken:

 

Wenn sich Menschen verändern

Aufgrund meiner Berufe durfte und darf ich seit jeher immer wieder neue Menschen kennenlernen, welche mit ihren Fragen an mich herantreten. In meiner Arbeit als Trauerbegleiterin begegnete mir von einem Kontakt diese Frage und da ich denke, dass dieser Gedanke einige Menschen umtreibt, versuche ich in diesem Artikel näher darauf einzugehen.

«Wie gehe ich damit um, wenn sich ein Mensch durch eine Krankheit so stark verändert, dass die geliebte Person bereits vor dem Tod verloren geht?»

 

Der Auslöser für diesen Text ist ein Vater, welcher sich durch Parkinson nach und nach verändert. Aus diesem Grund sind die unten aufgeführten Beispiele auf die Vaterfigur bezogen. Selbstverständlich sind sie allgemeingültig und verlieren ebenfalls keine Bedeutung, wenn sich ein Mensch „aus freien Stücken“ verändert. Dies geschieht beispielsweise durch die bewusste Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit oder auf dem Weg zum selbständigen Unternehmer. Bekannte Verhaltensmuster zu verändern, kann für das Umfeld teilweise befremdlich wirken und verdrängte Befürchtungen aufzeigen. Wie so oft, hilft hier gegenseitiges Verständnis und die Akzeptanz der steten Veränderung eröffnet neue gemeinsame Chancen. 

 

Alles neu und doch bekannt

Du kennst vielleicht aus eigener direkter oder indirekter Betroffenheit selbst Situationen, in denen nahestehende Personen mit sogenannten Schicksalsschlägen konfrontiert werden: Der Mann einer Freundin ist an Demenz erkrankt. Ein Bekannter bekam kurz nach seiner Rente die Krebsdiagnose. Deine ehemalige Ausbilderin rief beim letzten Zusammentreffen unzusammenhängende Sätze über den Bahnhofsvorplatz. Überfordernd im ersten Moment, ich weiss. Im zweiten, in Reflektion zuhause, wünscht man sich dann oft, anders reagiert zu haben. Doch Sprachlosigkeit ist normal, wenn das System mit neuen Botschaften konfrontiert wird. 

Viele Krankheiten verändern das Verhalten von Menschen, welche wir seit Jahren zu kennen glauben. Lange habe ich mich vor dem Schreiben dieses Artikels gedrückt, denn meine persönliche Betroffenheit kommt hier ebenfalls an die Oberfläche. Meine Mama hatte während meiner Jugend schwere depressive Phasen. Diese wurden irgendwann von psychotischen Zuständen, vergleichbar mit einer Schizophrenie, abgelöst. In dieser Zeit war sie weder sich selbst, noch verhielt sie sich mir gegenüber wie eine Mutter. Somit ist mir dieses Phänomen bestens bekannt und die Komplexität sehr vertraut. Ebenso kenne ich aus meiner Vergangenheit trübe Phasen von depressiver Verstimmung und verzweifelter Hoffnungslosigkeit. 

So manche Krankheit lässt bekannte Wesenszüge verschwinden. Nebst psychischen Erkrankungen weisen leider viele weitere Erkrankungen steigende Zahlen auf. Sei dies Krebs, begleitet von wesensverändernden Schmerzen. Tumore, welche auf das zentrale Nervensystem drücken, die Abhängigkeit von Substanzen. Bekannte Autoimmunerkrankungen oder ihnen im Verlauf ähnliche, so wie eben Parkinson. Oft genug rufen auch Wirkung und Nebenwirkung eingenommener Medikamente eine Persönlichkeitsveränderung hervor. 

 

Wie gehst Du also damit um, wenn du dich nach und nach von einem Menschen verabschiedest?

 

Raum für Erinnerungen schaffen

Erinnerungen sind das wertvollste Gut deines Lebens. Diese festzuhalten und aufzubereiten, ist unendlich kostbarer Bestandteil des Alltags. Vielleicht ist es dir sogar möglich, bei aktuellen Begegnungen neue Erinnerungen zu schaffen oder bestehende in einer passenden Form nochmals zu erleben. Dies gelingt zum Beispiel bei der Gestaltung eines Fotoalbums, welches ganz klassisch mit Schere, Leim und dickem Buch oder aber etwas moderner als Onlineversion gestaltet werden kann. Diese Tätigkeit kann mit der ganzen Familie zusammen erlebt werden. Vielleicht nutzt ihr sie sogar als Ritual? 

Gemeinsame Erinnerungsstücke überall dort zu verteilen, wo sich die betroffenen Person aufhält, kann sehr wirkungsvoll sein. So besteht die Möglichkeit, sich immer wieder an Erlebnisse zu erinnern, welche das Herz berühren. Es wird nämlich angenommen, dass tiefe Herzens-Verbindungen selbst dann gespürt werden, wenn sich im Aussen vieles verändert hat.

 

  

Gefühle zulassen 

Die Krankheit, welche sich ungefragt ins Leben schlich, macht oftmals wütend. Wut hat durchaus positive Eigenschaften, wenn diese dann doch eher den zweiten Blick benötigen und in unserer Gesellschaft eher aberkannt werden. Ein bekannter Aspekt ist jedoch, dass sie gerne dort deponiert wird, wo sie unnötigen Schaden anrichtet. Der dir gegenüberstehende Mensch hat sich diese Situation genau so wenig ausgesucht wie du. Wenn du also bemerkst, wütend zu sein oder werden, besuche die betroffene Person vielleicht etwas weniger als sonst oder verlasse gegebenenfalls den Raum. Du unterstützt mehr, wenn du etwas unternimmst, was dir selbst guttut. Gib deiner Wut ihren Raum. Vielleicht gehst du spazieren oder absolvierst eine Runde Kickboxen. Wonach immer Dir der Kopf steht: Dadurch reduzierst du die Gefahr mit deiner Wut emotionale Verletzungen zuzufügen.

 

Das Gleiche gilt für Momente der Traurigkeit. Trauerphasen treten nicht zwingend erst nach einem Verlust auf. Wenn du traurig bist, lass es zu. Es gibt jeden Grund, so zu fühlen. Denn auch wenn die geliebte Person weiterlebt, stirbt dennoch ein Teil von ihr. Diesen Verlust bewusst anzunehmen, hilft bei der Verarbeitung des Geschehenen. 

 

Vergissmeinnicht

Dies gilt für alles. Deine Gefühle, Deine Intuition und Deine Wahrnehmung. Lass Dir von niemandem einreden, dass du etwas falsch interpretierst. Wenn Du Deine eigene Wahrheit spürst, gewähre ihr Raum. Niemand kennt deine persönliche Sicht auf die Geschehnisse besser als du. Daher musst du dich für deine Ansichten weder rechtfertigen noch für getroffene Entscheidungen erklären. All das gilt übrigens immer – nicht nur in Ausnahmesituationen. 

Für einen gesunden Umgang mit Emotionen empfiehlt sich, die eigenen persönlichen Bedürfnisse nicht zu vergessen. Plane aktiv Pausen ein und versuche diese einzuhalten. Es hilft niemandem, wenn du dich an übermenschlichen Leistungen versuchst. Irgendwann wird sogar deine Energie verbraucht sein, doch dein Zusammenbruch kann dann keiner auffangen oder er führt zu einer unnötigen selbstverursachten Belastung. 


Versuche stattdessen ganz ehrlich mit deinen Kräften umzugehen und fordere rechtzeitig konkrete Unterstützung an. Dein Körper und Geist sind tatsächlich zu Höchstleistungen fähig. Jedoch hat jeder Akku seine Ladezeiten, sonst macht er schlapp. Sei also zu dir selbst nicht strenger als zu Deinem Smartphone. In der Regel freut sich Dein Umfeld über Unterstützungsmöglichkeiten. Helfen ist ein urmenschliches Bedürfnis. Doch nur wo dies zugelassen wird, können Wunder geschehen.  

 

An dieser Stelle mache ich auf die inspirierende Geschichte von Christine Braunmiller aufmerksam. Sie begleitete ihren Mann nach einem Hirninfarkt bis zu seinem Tod. In dieser Zeit war sie, wie sie selbst sagt „absolut am Limit und musste trotzdem das Rad am Laufen halten“. Ihr half dabei Qi Gong. Vielleicht magst du sie und ihre Geschichte kennenlernen, dann kannst du das auf ihrer Webseite. 

 

 

Abschied und Neuanfang

 

Es ist ein Balanceakt. Durch die Krankheit verlierst du den Menschen zu einem gewissen Teil. Was ihn bisher ausmachte, wird sich langsam verabschieden. Es kann helfen deinen Abschied mit Ritualen zu unterstützen. Gleichzeitig hilfst du damit der neuen Persönlichkeit deines Gegenübers. Wenn sich Verhaltensweisen verabschieden, kommen oftmals neue dazu. Diese zu akzeptieren, fällt oft schwer. Der Mensch hat gerne Einfluss, doch hier wird dieser durch Krankheit genommen. Versuche die Wünsche, Selbstbestimmung und Veränderung anzunehmen. Du darfst neue Erlebnisse bewusst wahrnehmen und entstehenden Gefühlen ihren Raum gewähren. Wenn Du es schaffst, mit möglichst wenig Vergleichen oder Bewertungen vorzugehen, ermöglichst Du neue Erinnerungen, welche ebenfalls sehr wertvoll sind.

 

Transparenz

Oftmals sind wir so stark durch unser eigenes Gedankenkarussell eingenommen, dass wir schlicht vergessen, die direkt betroffene Person miteinzubeziehen. Dies erachte ich jedoch als essenziell. Durch Schweigen wird nix leichter. Im Gegenteil: So gut du den betroffenen Menschen kennst, wird er wahrscheinlich auch dich kennen. Somit bemerkt er bestimmt sofort, wenn du etwas verschweigst. Das Ding ist jedoch: Wo Geheimnisse sind, entsteht Raum für Spekulationen. Diese beheimaten meist unnötige und destruktive Gedanken und Gefühle und diese schaffen in Kürze neue Realitäten. Durch klärende Gespräche können solche Gefahren gebannt und das gegenseitige Verständnis intensiviert werden.

 

Perspektivwechsel

Nebst all den erschwerenden Aspekten verbirgt sich hier ein Geschenk. Nämlich die Chance, des noch besseren Kennenlernens, sich erinnern und bewusst Abschied nehmen zu dürfen. Klar, diesen Umstand kannst du kaum jeden Tag aus dieser Perspektive betrachten. Es hilft jedoch, den Gedanken zuzulassen und den Fokus zu verändern. Weg von dem, was du alles verlierst, hin zur Erkenntnis, wie schön es ist, diese Situation gemeinsam zu meistern. Wenn auch vielleicht jeder für sich.  

 

 

Im Endeffekt gelten diese Beispiele oben für jede Situation, nicht nur bei Krankheit. Unabhängig davon, ob eine Person bereits gestorben ist oder noch komplett gesund hier weilt. Sich bewusst zu werden, wie unendlich kostbar diese Momente sind, erfüllt mit tiefer Dankbarkeit. Das Geschenk von Liebe wiegt auf, was die Zukunft bringt. Darum bleibt am Ende des Tages diese Liebe allumfassend gültig. Zeige deinen Mitmenschen, was du für sie empfindest. Solange, oft und ehrlich du kannst. Unabhängig der Weihnachtszeit oder anderen Faktoren wie Stress, Streit und Befürchtungen.

 

Alles Liebe.
Bedingunglos.

Sabrina

PS:
Wer aus Liebe zusammen fand, kann sich nie verlieren.

Beziehungen und ihre Herausforderungen

Beziehungen und ihre Herausforderungen

“Das kannst du doch nicht sagen/tun.”

“So wird das niemals funktionieren.”

“Mach das besser mal anders oder am Besten genau so und so…”

“Also ich hätte das ja nie gemacht.”

„Das war jetzt aber echt ein fataler Fehler.”

„An deiner Stelle hätte ich…“

Wer kennt sie nicht, solche gutgemeinten Ratschläge. Gerne von Leuten, die nicht das erreicht haben, was das eigene Ziel ist. Gerne solche, die ihr Lebensziel noch nicht mal erahnen. Kein Ding, kann man so machen, ist absolut legitim. Darf jedoch auch leise, also ohne Töne, umgesetzt werden.

Wenn ich eines gelernt habe über die letzten Jahre – besonders auch im Kontext meiner Ausbildung als Trauerbegleiterin und der darauf folgenden Zeit, dann, dass nicht alles, was andere Menschen tun, zwingend von jedem Einzelnen kommentiert werden muss. Nein, echt nicht. Selbst dann nicht, wenn man es doch “bloss gut meint.” Erst recht nicht in diesem Fall. Und eigentlich möchte ich hier nachschärfen, denn es reicht auch, wenn du das bei keinem Menschen ungefragt tust. Ja. Wirklich. Da bin ich mir ganz sicher. Und nein, diskutieren oder lauter schreien bringt wenig bis gar nix und gibt keinesfalls mehr Recht. 

 

Kurze Frage sei an dieser Stelle erlaubt:

Wieso nutzt du deine wertvolle Lebenszeit dazu, dir Gedanken darüber zu machen, was dein Gegenüber tut, wenn bei dir selbst keine Klarheit herrscht?

 

Ratschläge sind und bleiben halt immer auch Schläge. Besonders wenn sie einen ungefragt von der Seite oder hinten erwischen, können sie einfach weh tun. Das war es an dieser Stelle schon mit Mehrwert, wir fassen uns nämlich kurz hier. Denn ich mag persönliche Kompromisse eher weniger, sondern stehe eher auf das Ding, was sich Konsens nennt. Braucht in der Regel bloss zwei Menschen und Augenhöhe, das war´s eigentlich schon.   

Zum Einstieg dieser Zeilen möchte ich abschliessend meine Antwort auf die Aussage “Das kannst du so nicht sagen” teilen. Diese wurde einszueins von mir verwendet und darf gerne übernommen werden. “Du siehst ja, dass ich es kann, sonst hättest du es ja nicht eben von mir gehört. Oder traust du etwa deinen eigenen Ohren nicht?”

Was meinen Mund verlässt wird von allem begleitet, was ich zu bieten habe. Das bedeutet du kriegst mein volles Herz und mitgebrachten Hausverstand.

Ganz ehrlich: Kein Mensch ist blöd und jeder gibt das Beste, das persönlich möglich ist. Besonders ist keine Aussage in Stein gemeisselt und jede Wahrheit recht individuell. Wenn das für dich noch Verhandlungsspielraum frei hält, greife ich aufgrund fehlender Diskussionsebene gleich nochmals auf ein Zitat zurück. Dieses Mal von meinem Schwiegervater selig. “Das ist dein Problem, du darfst es gerne behalten.” 

Das Prinzip der Liebe funktioniert eben anders als nach der Devise “Sei wie ich dich haben will oder ich bestrafe dich.” Besonders die bedingungslose Liebe, die bei mir inzwischen Parameter für meine Entscheidungen darstellt und höchster Grundwert zugleich ist. Was nicht aus Liebe besteht, hat keinerlei Bestand mehr. Und ja, das gilt bei mir tatsächlich auch in der Arbeit mit Kunden. Denn das Leben ist zu kurz, um mit Menschen zu arbeiten, die möchten, dass ich mich verändere, damit es ihnen leichter fällt mir ihre eigene Verantwortung überzustülpen, um ihre eigenen Schultern dadurch zu entlasten und selbst wegschauen zu können.

Meine Wahrheit ist die, dass wir in der Welt wahrhaft Grossartiges vollbracht haben, wenn jeder Mensch bei sich selbst ist und bleibt. Also geben wir doch weiterhin achtsam unser Bestes. Das ist gut genug. Immer. Wir wissen nie, wie unsere Worte beim Gegenüber ankommen und was durch sie ausgelöst wird. Richten wir unseren Blick doch vermehrt in unser eigenes Innere statt ihn aussen umherschweifen zu lassen.

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Ach und wenn du dich fragst, wer dir denn jetzt deine Webseitentexte gegenliest oder Angebote „probenutzt“ und dir darauf Feedback gibt, dann schlage ich das einzig Sinnvolle vor: Jemand aus deiner Zielgruppe, ein Wunschkunde. Oder ein Mensch wie ich, der sich durch jahrelanges Training neutrale Kundenbrillen aufziehen sowie durch eigenen Erfahrungsschatz unternehmensstärkende Vogel-Fremd-Perspektiven einnehmen kann. Und der aus Interesse an deiner Person komplett ehrlich ist und nicht aus Eigeninteresse etwas anderes erzählt.

Alles Liebe.
Sabrina

Über Buchveröffentlichungen, Verlagssuche und sonstige Alltagsentscheidungen einer selbständigen Unternehmerin in wandelnden Zeiten

Über Buchveröffentlichungen, Verlagssuche und sonstige Alltagsentscheidungen einer selbständigen Unternehmerin in wandelnden Zeiten

Ich weiss, ich weiss. Ein Buch zu veröffentlichen ist (d)ein grosser Traum. Noch grösser der, das Buch danach in Schaufenstern von Buchhandlungen entdecken zu können und mindestens den eigenen Namen auf der Bestsellerliste zu lesen. Mit deiner Botschaft die Welt zu erreichen und ein Stück besser zu machen. Absolut verständlich. 

Doch leider verbergen Träume ja immer das Potenzial ungelebt zu bleiben. Hintergrund sind verschiedene Gründe und auf die Gefahr hin bei dir lautes Augenrollen zu kassieren, zitiere ich an dieser Stelle altbekannte Weisheitsphrasen, die auch hier zum Tragen kommen kann: 

  • Erstens:
    Mehr Schein als Schein blendet statt zu glänzen.

  • Zweitens:
    Der Blick nach links und rechts oder dem gefühlten “OBEN” neigt dazu, sich einschüchtern zu lassen und das eigene Buch entweder nie zu schreiben oder halt unveröffentlicht in der Schublade liegen zu lassen. (Das gilt für jede Idee…)

  • Drittens:
    Arbeit kann aufwandsintensiver eingeschätzt werden, als sie wirklich ist. Besonders, da du sie aufgrund fehlender Erfahrung falsch einschätzt. 


Butter bei die Fische:
Mir ging es lange selbst so.
Der Wunsch nach meinem eigenen Buch begleitete mich seit meiner frühen Kindheit und irgendwann realisierte ich, dass die magische Linie des achtzehnten Geburtstags schon länger überschritten war. (Ja, graue Haare können tatsächlich eine Bedeutung haben…) Gleichzeitig wurde mir von jetzt auf gleich klar, dass sogar mein Leben endlich ist und tatsächlich irgendwann endet. Dummerweise vielleicht sogar ohne Ankündigung des WANN. Wenn ich Glück habe, geht es noch ganz lange weiter, was natürlich super schön ist, doch gleichzeitig viel Zeit beinhaltet, in der ich bereuen kann, was ich verpasse. So beispielsweise meine Leidenschaft vom Schreiben, weshalb ich also meinen inneren Saboteur belächelte, den Verstand ignorierte, meine Kopfhörer aufsetzte und zur Tat schritt – äääh – an den Schreibtisch rollte. Ohne wirklich Worte darüber zu verlieren, was ich vorhabe. Übrigens etwas, das tatsächlich außerhalb eines Lockdowns ebenfalls möglich ist. Leben statt reden nenne ich das oder auf Schweizerdeutsch:

“Liefere statt lafere.”


Innerhalb eines Jahres veröffentlichte ich zwei Bücher in Printversion. Fast nebenbei, wie es wohl scheint. Beide Werke erschienen bewusst ohne Verlagssuche und mit Verzicht auf den Vertrieb über Buchhandlungen oder den Versuch irgendwelche Listen zu erklimmen, um dadurch etwas darzustellen. Selbst wenn ich davon ausgehe, dass es nicht meine letzten Werke waren, möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen, dass jede Entscheidung im Leben zwei Seiten hat. So bezahlte ich für meine Entscheidungen einen Preis, der nebst Geld einen weiteren (höheren) Wert aufweist. Kein Bedauern liegt in diesen Worten, nur Transparenz. 

Bei meinem zweiten und noch eigenständigeren Werk – dem “Los des Lassens” – kann ich endlich auf das grosse OnlineBusiness-orangefarbene A verzichten, das Waren versendet und so was… Es ist bekannt: Monopolismus schmeckt mir einfach nicht und ich kenne nur zu genau verschiedenste Perspektiven davon. War ich doch jahrelang beruflich damit beschäftigt. In jeder nur erdenklichen Position und in einer Branche, die dazu da ist, das wichtigste Gut des Menschen zu verwalten…

Zurück zum Glück: Der komplette Prozess meines Buches war eigentlich ganz einfach. Doch ich zitiere an dieser Stelle gerne mein Tshirt.

Was bedeutet eigentlich eigentlich?


Nun:
Als Initiatorin war ich gleichzeitig Projektkoordinatorin. Von A bis Z lief der komplette Prozess über mich und ich setzte alles selbst um, was meinem Stärkeprofil entspricht. Der Rest wurde an sympathische Profis ausgelagert. Wirtschaftliche Effizienz heisst nämlich nicht, sich jedwedes Fachwissen selbst anzueignen, sondern das zu tun, worin man gut ist. Es heisst aber auch nie, sofort und direkt alles auszulagern, was einem auf den ersten Blick ängstigt. Mehr am statt im Unternehmen zu arbeiten bedeutet deutlich mehr als das. 

Aber weiter im Text: Bedeutet das in Kurzfassung (oder meiner allseits beliebten Marketing-Nussschale) nun, dass alles ganz leicht war und das Ding der Buchveröffentlichung ein Spaziergang? Ganz ehrlich: Als ich mich an mein erstes Werk setzte, hatte ich keine Ahnung von Büchern. Ja, okay, seit ich sechs bin schaffe ich es, Wörter in einer Reihe niederzuschreiben und ab und an mit Satzzeichen zu garnieren. Auch veröffentlicht hatte ich zu dem Zeitpunkt schon einige Texte. 

Doch das, was mich erwartete, war jenseits eines Ponyhof-Lebens, wenn auch die Menge an Mist, der mir begegnete wohl vergleichbar damit ist. Es war alles andere als leicht und damit meine ich nicht nur die sichtbaren Prozesse rund um die Veröffentlichung.


Hier ein homöopathischer Ansatz aus gefühlt einer Million zu treffender Entscheidungen, wenn du dich für ein Buch entscheidest:

Für welche der schier unendlichen Möglichkeiten an Veröffentlichungsarten entscheide ich mich?
Was sind die allgemeinen und persönlichen Vor- und Nachteile davon?
Wie finanziere ich mein Werk? (Mit Geld, na klar, doch es darf ja nachher auch noch welches da sein, nicht wahr?)
Wie komme ich an ein Cover? Und was bitte ist ein Premade und wieso gibt es da nur Bilder, die irgendwie gruselig sind für meine Augen?
Was ist ein Buchsatz und HILFE, ich kann ja noch immer nicht mal Excel, wie soll das denn gehen?
Wie lade ich am Ende das fertige Werk – in welcher Datei auch immer… – wo hoch?
Wie war das jetzt nochmals mit den Massen?
Wie schreibe ich Klappentext und eine Autorenbiographie ohne den Leser vor Gähnen hintenüber vom Stuhl kippen zu lassen?

(An dieser Stelle erlaube ich mir den Hinweis, dass eine Aufgabe von Marketing tatsächlich Unterhaltung und so gar nicht böse ist. Denn ich lese sie immer noch zu oft und suche weiterhin den Mehrwert in Sätzen wie folgender Beschreibung: „Seit ihrer Kindheit liebt Sabrina das Schreiben.“ Als Leser würde ich mich dezent wundern und mir die Frage stellen: „Aha, wie schön und warum kann sie mir aufgrund dieser Erfahrung was zum Tod mitteilen, das mein Leben verändern soll?“


Komplett ausser acht….
… lasse ich vorerst die automatisch begleitende Schattenarbeit rund um die Sichtbarkeit mit der eigenen Wahrheit. Tatsächlich habe ich mich erneut am Ende selbst ausgetrickst und mir kurzfristig zusätzliche Unterstützung geholt, die mich dabei begleitete, den “Veröffentlichungs-Button” zu drücken. Ansonsten wäre mein erstes Werk immer noch ein Schubladenbuch und ich könnte mich dahinter verstecken, dass “halt einfach noch was fehlt”.

Warum habe ich es denn überhaupt getan, wenn doch so manche schlaflosen Nächte damit verbunden sind und waren? Geld war auf jeden Fall eher weniger Antrieb. So muss ich enttäuschen, wer meint, ein Buch zu veröffentlichen macht – ob mit oder ohne Verlag – über Nacht das Konto voll. Das ist schlicht falsch und soll/ darf vor Veröffentlichung jedem so glasklar sein wie mir. Ein Buch hat einen unendlich hohen Wert, kann jedoch gut budgetiert werden. Muss es aber auch, da wie mit allem, was nachhaltig aufgebaut ist, Geld nicht das kurzfristige Ziel darstellt. Die Illusion, dass Autoren aus Prinzip reich sind, kann ich super simpel widerlegen, was ich mir jedoch für persönliche Gespräche vorbehalte. Eine andere Sache ist die Vorstellung, dass Künstler für ihre Kunst zu leben haben statt davon. Brotlose Kunst – was reden wir unseren Kindern damit ein? Anderes Thema, wohl bald mal neue Artikel wert, wie ich gerade spüre. Oh fast vergessen. Die Einstiegfrage war, warum ich es getan habe. Ganz simple Antwort. Etwas Jux und Tollerei, strategisches Invest in meine Selbständigkeit, wichtiger Lernprozess und besonders die Erfüllung eines Lebenstraums.

Zurück also zu den Seiten, die seit jeher meine Welt bedeuteten: Den Büchern. 

Nein, ich sage keinesfalls, dass eine Veröffentlichung auf klassischem Weg falsch ist. Keine Entscheidung kann je die falsche sein. Solange sie aus Fülle getroffen wird und im aktuellen Moment stimmig ist. 

Freiheit und Eigensinn statt unternehmerischem Biss und Sachverstand?

Klar, wer mich etwas kennt, kann sich zum Gedanken verleiten lassen, dass mich der hohe Wert an Unabhängigkeit zur Publikation in Selbstverlag und der Gründung als Verlegerin verleitete. Doch wie überall im Leben existiert selbst hier eine deutlich breitere Vielfalt in der Farbpalette als tiefdunkles schwarz oder blütenreines weiss. (Die ja irgendwie keine Farben sind und dennoch immer dafür herhalten müssen; wie gut breite Schultern zu haben.)

Es ist kein Geheimnis: Ich mag es eher bunt oder grau, vielleicht ab und an auch in knalligem pink. So kommt bei mir die absolut notwendige Marketingstrategie anders daher und führt manchmal zum Gedanken, dass ich gar keine verfolge. Doch als sogenannte Expertin (was auch immer das in einer Welt, die sich alle paar Sekunden verändert, bedeuten soll…) ist das natürlich alles andere als wahr. Meine Strategie ist nur halt eben meine Strategie. Was bedeutet, dass ich sie fokussiert verfolge, anpasse und analysiere. Stiller als von mir zu erwarten ist. Wer mit mir arbeitet, profitiert selbstverständlich von der Ganzheitlichkeit meiner Ansätze und meinem kompletten Erfahrungsschatz und ich teile intensiven Einblick in meine fundierte Gedankenwelt. Doch tatsächlich werde ich diese nie mit der ganzen Welt teilen, mögen die Versuche noch so gut sein.

Marketing hat den zweifelhaften Ruf der Manipulation und wer die Geschichte der Werbung beleuchtet, ist sich bewusst, dass dies nicht von ungefähr kommt. Dennoch ist es unberechtigt, dich davon ausbremsen zu lassen. Jeder Mensch hat selbst in der Hand, welchen Weg er verfolgt und wonach er sich ausrichtet. So wurde ich letztens beispielsweise ganz direkt auf einer bekannten Businessplattform damit konfrontiert, wie naiv ich denn sei, zu glauben, im Marketing zwischen Kunden und Anbietern sei in der Kommunikation Augenhöhe möglich. Ganz ehrlich: Alles ist möglich! Die Frage ist wohl eher, ob sie erwünscht ist. Doch in der Regel verraten Aussagen immer mehr über Sender als Empfänger.

Selbst habe ich jedoch lange genug aufgrund solcher Aussagen geglaubt, keine Ahnung zu haben. Es wurde mir exzellent eingeredet. Trotzdem blieb ich meiner Wahrheit treu und lebte froh nach meiner Devise mit den Schuhen an der Tür weiter. Diese dürfen nämlich dort stehen, weil in meiner Wohnung mehrere Menschen leben. Anzuziehen brauche ich sie mir dennoch nicht, denn ich habe ja eigene, die mir sehr gut passen. Und zur Not sind immer meine Füsse dabei, die mich sogar barfuss überallhin tragen.  

Etwas, worüber in Bezug auf Strategie und Bestsellerlisten „apropos“ immer noch selten gesprochen wird und was deutlich weiter verbreitet als andere Phänomene ist, spreche ich mit folgendem Gedankengang auf:
Wie hinter meinem Business steckt auch hinter solchen Listen etwas klug Gedachtes. 

Bekannte und mächtige Anbieter ermöglichen die Erfüllung deines Traums über Nacht, sogar den vom Mehrfachbestseller. Was du dafür tun musst? Finde es heraus. Eine kurze Suchmaschinenrecherche kann wie bei fast allem im Leben schon deutlich dabei unterstützen, den gesunden Menschenverstand mit Fakten zu untermauern. Ob ich damit sagen will, dass durch einige Stellschrauben über Nacht ein Erfolgsautor aus jedem werden? Tatsache. Was in diesem Buch steht? Nebensache. Halte dich einfach an die Regeln.


Dir gehen Fragen durch den Kopf?

Dann wie immer zuerst die gute Nachricht: Bei einer Orientierung „im Aussen“ dürfen diese einfach ausgeblendet werden, da komplett irrelevant. Doch wir waren ja mal bei den zwei Seiten, die es immer und überall gibt. Beim Preis, den es zu zahlen gilt. So werfe ich nun einfach unkommentiert den Gedanken in den Raum, der bei Entscheidungen und Denkprozessen zum Tragen kommen darf. Wer könnte bei einer Sache welches Eigeninteresse verfolge? Keine Sorge: Es gibt wenig Grund, das negativ zu betrachten. Der Mensch ist darauf ausgelegt, sich sein Leben zu erleichtern. Total viel Sinn also, so rein von der evolutionären Warte her betrachtet.

Zur Erleichterung teile ich natürlich gerne meine Entscheidungsgrundlage mit dir:

Kann ich damit leben und sind meine Werte damit in Einklang?

Wenn ja: Cool. Go for it und geniesse es.
Wenn nein: Such dir eine stimmige Lösung, die gibt es nämlich. Dann: Cool. Go for it und geniesse es. 

An dieser Stelle gebe ich offen zu, dass alles was diesem Vorgehen diametral gegenüber steht, ab und an Angst macht. Wieso vergessen wir so schnell und augenscheinlich gerne, wozu bei Geburt der gesunde Menschenverstand verteilt wurde? Relativ ehrlich und komplett nüchtern betrachtet ist die Antwort wohl in der Regel im kurzfristigen Profit zu finden. 

Ja, wir dürfen uns bewusst sein, dass alles im Leben immer zwei Seiten hat. Mindestens. Eine Frage des Preises, den wir zu zahlen bereit sind. Um ethisch zu bleiben in unseren unternehmerischen Entscheidungen. Nachhaltig zu wachsen. Unser Gegenüber genauso ernst zu nehmen, wie uns selbst. 

Für mich bedeutet das: Weiter geht es mit dem Spiel nach meinen Regeln, den Preis dafür zahle ich selbst. Und aus genau dem Grund arbeite ich persönlich mit Menschen, die wissen, wie wichtig Entspannung ist, um wach zu bleiben. Wie kostbar es ist, immer weiter Fragen zu stellen, ohne die Antwort zu suchen. Selbstwirksam an Verantwortung zu übernehmen. 

Als kleines Abschiedsgeschenk teile ich hier einige Gedanken, die ich mir während meines Prozesses so machte: 

Wieso soll ich da sein, wo alle sind und in einer Flut untergehen?
Entscheidungen für meinen Lebenstraum von anderen fällen lassen, wenn ich die Verantwortung dafür trage?
Wieso meine Ideen verändern, wenn sie doch zu mir kamen, um realisiert zu werden?
Wieso soll ich Zeit verstreichen lassen, wenn ich jetzt umsetzen kann?
Wieso soll ich tun, was alle tun, wenn ich doch nicht alle bin, sondern einfach ich selbst? 


Alles Liebe.
Bedingungslos.
 
Sabrina 

Wieso glaube ich, dass wir einander genau damit unterstützen, indem wir uns eben nicht zu helfen versuchen?

Wieso glaube ich, dass wir einander genau damit unterstützen, indem wir uns eben nicht zu helfen versuchen?

Lange Zeit schon begleitet mich mein Wunsch nach Veränderung. Hin zu einer Welt, die sich einfacher und übersichtlicher darstellt. Mit einem Mehr an Klarheit und dem Fokus auf den Einsatz von Fähigkeiten, die mit Leichtigkeit eingesetzt werden. Einer Reduktion von Konsum und dem Blick auf das Wesentliche. 

Wie oft hörte ich in meiner Vergangenheit die Aufforderungen:

“Hör auf zu träumen und pass dich endlich an.”

“Als ich jung war, hatte ich selbst viele Visionen, doch heute blicke ich der Realität ins Auge.“

„Du musst jetzt wirklich deine Ansprüche mal herunterschrauben.“

„Sonst brauchst du dich nicht wundern, dass (setze hier das Horrorszenario deiner Wahl ein).“

“Seit jeher ist das nun mal anders als du es gerne hättest. Meinst du eigentlich du bist etwas Besseres?”

“Das haben wir immer so gemacht.”

Alle diese Sätze liessen mich lange Jahre schier verzweifeln und meine Reaktionen darauf waren wenig gesund. Weder für mich noch für meine Beziehungen. Doch statt Veränderung positiv vorzuleben, trat ich in den Widerstand. Rebellion war mein zweiter Vorname.

 

Was entstand aus meinem Kampf?

Früh gründete ich mein erstes Unternehmen, damals als Nebenselbständigkeit. Weil wir wissen es ja inzwischen gut genug: Schließlich kann man „ja davon nicht leben…“

„Und überhaupt, was soll dir dann Sicherheit geben und deine Rechnungen bezahlen? Luft und Liebe, he?“

Fest steht:
Unsere Gesellschaft stellt Sicherheit vor Leben, das haben die letzten Jahre nochmals deutlich gezeigt. Durch die Begegnung mit dem Tod und meiner intensive Auseinandersetzung mit ihm, habe ich heute meinen eigenen persönlichen Umgang damit gefunden. Der Widerstand ist gebrochen, die Waffen gefallen. Und doch ist eines klar: Es geht weiter, ist noch lange nicht fertig.

Mir ist seit meinem ersten Unternehmen bewusst, dass ich Strukturen und Routinen brauche, um meine persönliche Definition von Erfolg zu erreichen. Das bestätigten mir auch die vielen Bücher von Menschen, die da waren, wo ich vermeintlich hin wollte. Also kopierte ich deren Erfolgsrezepte. Und scheiterte gnadenlos. Glücklicherweise. Immer das Selbe zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten, wohl eines der missverständlichsten Rezepte überhaupt. Weil also nix funktionierte, änderte ich nach und nach die Vorbilder, denen ich folgte. Bis ich irgendwann realisierte, dass kein Mensch da ist, wo ich hinwill. Erfolg so individuell ist wie der eigene Gebissabdruck. Eine reine Definitionssache und oft genug mehr als intransparent. 


Alle anders und doch gleicher als gedacht

Das ist nicht so, weil ich Individualität in Grossbuchstaben schreibe und gerne persönlich bin. Nein, in der Quintessenz sind wir uns Menschen schlicht deutlich ähnlicher als gedacht. Wir teilen die gleichen Grundbedürfnisse sowie die Ausgangslage der Endlichkeit unseres Lebens. Was unterscheidet wie verbindet sind die eigenen Wertegerüste, nach denen wir handeln. Diese gilt es wie unsere eigene Westentasche zu kennen und uns danach auszurichten. So finden wir die passenden Menschen und erreichen gemeinsam Grosses. Jeder für sich.  

Doch es kann ein steiniger Weg sein und nirgends ist verankert, dass wir ein Recht darauf haben, dass es leichter wird. Erschwerend neigen wir dazu, schwer zu machen, was leicht ist. (Danke an dieser Stelle an all die lieben Menschen, die mich dabei unterstützen das für mich Schwere in Leichtigkeit zu verwandeln.)  Ja, ich bin selbst schon gnadenlos gescheitert: Als Mensch der Extreme, die ich war, nahm ich sehenden Auges alles an Fehlern mit, was möglich ist. Auch die unmöglichen, ehrlich gesagt. Irgendwann wurde mir bewusst, dass genau dort mein Schatz verborgen liegt und sich mir fast unendliches Lernfeld zeigt: in den eigenen Erfahrungen und dem konstanten bei mir selbst sein und bleiben.

Ob Copy-Paste-Vorgehen oder links-rechts-Blicke:
Es funktioniert schlicht nie für den Einzelnen. Davon bin ich absolut überzeugt.

 

Wie soll es funktionieren, individuelle Strategien einzueins zu übernehmen und ein persönlich stimmiges Ergebnis zu erhalten?

 

Kleine Rückschau in meine Vergangenheit:
Diesbezüglich bin ich meinen Eltern unendlich dankbar. Sie lernten mich sehr früh selbständig zu denken statt scheinbar allgemeingültige Wahrheiten einfach nachzuplappern. Klar, für das persönliche Umfeld kann es anstrengender sein als das Gewohnte und bestimmt forderte ich nebst meinen Eltern so manchen Menschen damit heraus, indem ich das Meiste hinterfrage statt blind zu folgen. Das Gute: Die eigene Wachstums- und Lernkurve steht jedem frei verfügbar und das Setzen von Grenzen ist Individualverantwortung.

Lange Jahre fühlte ich mich dennoch falsch mit meinem Empfinden. Eckte an, weil ich stets das ganze Bild vor Augen hatte. Wie ein Netz, welches sich über alles spannt. So versuchte ich mich anzupassen. Fast bis zur Selbstaufgabe. Als Visionärin liebe ich es, mit Bildern zu arbeiten. Chancen sichtbar zu machen, die bereits heute da sind und von jedem Einzelnen genutzt werden dürfen. Solche, die einen Perspektivwechsel benötigen, um erkannt zu werden. Es wurde mir bewusst, dass ich der einzige Mensch bin, der mir vor der Sonne stehen kann und verhindert, das Leben zu führen, welches ich mir wünsche. Auf meinem Weg zu bleiben, dabei unterstützt mich spiegelnde Reflektion und immer mal wieder der Schritt nach hinten. Langsames Gehen, das Flanieren, die Pausen. Darum ist es mir heute möglich, mich als den Menschen zu zeigen, der ich bin. Egal, wo ich mich gerade aufhalte.

Das Licht ist immer schon da, manchmal benötigt es aber erst den Schatten, um die volle Kraft zu spüren.
Alles im Leben hat seine Zeit. So gehören die dunklen Stunden genauso dazu, wie die hellen.
So weit aus Floskel-Hausen, denn hinter jedem schlauen Spruch steht in der Regel einer, der es am eigenen Leib erfahren hat.

Alles Liebe.
Sabrina