Ich weiss, ich weiss. Ein Buch zu veröffentlichen ist (d)ein grosser Traum. Noch grösser der, das Buch danach in Schaufenstern von Buchhandlungen entdecken zu können und mindestens den eigenen Namen auf der Bestsellerliste zu lesen. Mit deiner Botschaft die Welt zu erreichen und ein Stück besser zu machen. Absolut verständlich. 

Doch leider verbergen Träume ja immer das Potenzial ungelebt zu bleiben. Hintergrund sind verschiedene Gründe und auf die Gefahr hin bei dir lautes Augenrollen zu kassieren, zitiere ich an dieser Stelle altbekannte Weisheitsphrasen, die auch hier zum Tragen kommen kann: 

  • Erstens:
    Mehr Schein als Schein blendet statt zu glänzen.

  • Zweitens:
    Der Blick nach links und rechts oder dem gefühlten “OBEN” neigt dazu, sich einschüchtern zu lassen und das eigene Buch entweder nie zu schreiben oder halt unveröffentlicht in der Schublade liegen zu lassen. (Das gilt für jede Idee…)

  • Drittens:
    Arbeit kann aufwandsintensiver eingeschätzt werden, als sie wirklich ist. Besonders, da du sie aufgrund fehlender Erfahrung falsch einschätzt. 


Butter bei die Fische:
Mir ging es lange selbst so.
Der Wunsch nach meinem eigenen Buch begleitete mich seit meiner frühen Kindheit und irgendwann realisierte ich, dass die magische Linie des achtzehnten Geburtstags schon länger überschritten war. (Ja, graue Haare können tatsächlich eine Bedeutung haben…) Gleichzeitig wurde mir von jetzt auf gleich klar, dass sogar mein Leben endlich ist und tatsächlich irgendwann endet. Dummerweise vielleicht sogar ohne Ankündigung des WANN. Wenn ich Glück habe, geht es noch ganz lange weiter, was natürlich super schön ist, doch gleichzeitig viel Zeit beinhaltet, in der ich bereuen kann, was ich verpasse. So beispielsweise meine Leidenschaft vom Schreiben, weshalb ich also meinen inneren Saboteur belächelte, den Verstand ignorierte, meine Kopfhörer aufsetzte und zur Tat schritt – äääh – an den Schreibtisch rollte. Ohne wirklich Worte darüber zu verlieren, was ich vorhabe. Übrigens etwas, das tatsächlich außerhalb eines Lockdowns ebenfalls möglich ist. Leben statt reden nenne ich das oder auf Schweizerdeutsch:

“Liefere statt lafere.”


Innerhalb eines Jahres veröffentlichte ich zwei Bücher in Printversion. Fast nebenbei, wie es wohl scheint. Beide Werke erschienen bewusst ohne Verlagssuche und mit Verzicht auf den Vertrieb über Buchhandlungen oder den Versuch irgendwelche Listen zu erklimmen, um dadurch etwas darzustellen. Selbst wenn ich davon ausgehe, dass es nicht meine letzten Werke waren, möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen, dass jede Entscheidung im Leben zwei Seiten hat. So bezahlte ich für meine Entscheidungen einen Preis, der nebst Geld einen weiteren (höheren) Wert aufweist. Kein Bedauern liegt in diesen Worten, nur Transparenz. 

Bei meinem zweiten und noch eigenständigeren Werk – dem “Los des Lassens” – kann ich endlich auf das grosse OnlineBusiness-orangefarbene A verzichten, das Waren versendet und so was… Es ist bekannt: Monopolismus schmeckt mir einfach nicht und ich kenne nur zu genau verschiedenste Perspektiven davon. War ich doch jahrelang beruflich damit beschäftigt. In jeder nur erdenklichen Position und in einer Branche, die dazu da ist, das wichtigste Gut des Menschen zu verwalten…

Zurück zum Glück: Der komplette Prozess meines Buches war eigentlich ganz einfach. Doch ich zitiere an dieser Stelle gerne mein Tshirt.

Was bedeutet eigentlich eigentlich?


Nun:
Als Initiatorin war ich gleichzeitig Projektkoordinatorin. Von A bis Z lief der komplette Prozess über mich und ich setzte alles selbst um, was meinem Stärkeprofil entspricht. Der Rest wurde an sympathische Profis ausgelagert. Wirtschaftliche Effizienz heisst nämlich nicht, sich jedwedes Fachwissen selbst anzueignen, sondern das zu tun, worin man gut ist. Es heisst aber auch nie, sofort und direkt alles auszulagern, was einem auf den ersten Blick ängstigt. Mehr am statt im Unternehmen zu arbeiten bedeutet deutlich mehr als das. 

Aber weiter im Text: Bedeutet das in Kurzfassung (oder meiner allseits beliebten Marketing-Nussschale) nun, dass alles ganz leicht war und das Ding der Buchveröffentlichung ein Spaziergang? Ganz ehrlich: Als ich mich an mein erstes Werk setzte, hatte ich keine Ahnung von Büchern. Ja, okay, seit ich sechs bin schaffe ich es, Wörter in einer Reihe niederzuschreiben und ab und an mit Satzzeichen zu garnieren. Auch veröffentlicht hatte ich zu dem Zeitpunkt schon einige Texte. 

Doch das, was mich erwartete, war jenseits eines Ponyhof-Lebens, wenn auch die Menge an Mist, der mir begegnete wohl vergleichbar damit ist. Es war alles andere als leicht und damit meine ich nicht nur die sichtbaren Prozesse rund um die Veröffentlichung.


Hier ein homöopathischer Ansatz aus gefühlt einer Million zu treffender Entscheidungen, wenn du dich für ein Buch entscheidest:

Für welche der schier unendlichen Möglichkeiten an Veröffentlichungsarten entscheide ich mich?
Was sind die allgemeinen und persönlichen Vor- und Nachteile davon?
Wie finanziere ich mein Werk? (Mit Geld, na klar, doch es darf ja nachher auch noch welches da sein, nicht wahr?)
Wie komme ich an ein Cover? Und was bitte ist ein Premade und wieso gibt es da nur Bilder, die irgendwie gruselig sind für meine Augen?
Was ist ein Buchsatz und HILFE, ich kann ja noch immer nicht mal Excel, wie soll das denn gehen?
Wie lade ich am Ende das fertige Werk – in welcher Datei auch immer… – wo hoch?
Wie war das jetzt nochmals mit den Massen?
Wie schreibe ich Klappentext und eine Autorenbiographie ohne den Leser vor Gähnen hintenüber vom Stuhl kippen zu lassen?

(An dieser Stelle erlaube ich mir den Hinweis, dass eine Aufgabe von Marketing tatsächlich Unterhaltung und so gar nicht böse ist. Denn ich lese sie immer noch zu oft und suche weiterhin den Mehrwert in Sätzen wie folgender Beschreibung: „Seit ihrer Kindheit liebt Sabrina das Schreiben.“ Als Leser würde ich mich dezent wundern und mir die Frage stellen: „Aha, wie schön und warum kann sie mir aufgrund dieser Erfahrung was zum Tod mitteilen, das mein Leben verändern soll?“


Komplett ausser acht….
… lasse ich vorerst die automatisch begleitende Schattenarbeit rund um die Sichtbarkeit mit der eigenen Wahrheit. Tatsächlich habe ich mich erneut am Ende selbst ausgetrickst und mir kurzfristig zusätzliche Unterstützung geholt, die mich dabei begleitete, den “Veröffentlichungs-Button” zu drücken. Ansonsten wäre mein erstes Werk immer noch ein Schubladenbuch und ich könnte mich dahinter verstecken, dass “halt einfach noch was fehlt”.

Warum habe ich es denn überhaupt getan, wenn doch so manche schlaflosen Nächte damit verbunden sind und waren? Geld war auf jeden Fall eher weniger Antrieb. So muss ich enttäuschen, wer meint, ein Buch zu veröffentlichen macht – ob mit oder ohne Verlag – über Nacht das Konto voll. Das ist schlicht falsch und soll/ darf vor Veröffentlichung jedem so glasklar sein wie mir. Ein Buch hat einen unendlich hohen Wert, kann jedoch gut budgetiert werden. Muss es aber auch, da wie mit allem, was nachhaltig aufgebaut ist, Geld nicht das kurzfristige Ziel darstellt. Die Illusion, dass Autoren aus Prinzip reich sind, kann ich super simpel widerlegen, was ich mir jedoch für persönliche Gespräche vorbehalte. Eine andere Sache ist die Vorstellung, dass Künstler für ihre Kunst zu leben haben statt davon. Brotlose Kunst – was reden wir unseren Kindern damit ein? Anderes Thema, wohl bald mal neue Artikel wert, wie ich gerade spüre. Oh fast vergessen. Die Einstiegfrage war, warum ich es getan habe. Ganz simple Antwort. Etwas Jux und Tollerei, strategisches Invest in meine Selbständigkeit, wichtiger Lernprozess und besonders die Erfüllung eines Lebenstraums.

Zurück also zu den Seiten, die seit jeher meine Welt bedeuteten: Den Büchern. 

Nein, ich sage keinesfalls, dass eine Veröffentlichung auf klassischem Weg falsch ist. Keine Entscheidung kann je die falsche sein. Solange sie aus Fülle getroffen wird und im aktuellen Moment stimmig ist. 

Freiheit und Eigensinn statt unternehmerischem Biss und Sachverstand?

Klar, wer mich etwas kennt, kann sich zum Gedanken verleiten lassen, dass mich der hohe Wert an Unabhängigkeit zur Publikation in Selbstverlag und der Gründung als Verlegerin verleitete. Doch wie überall im Leben existiert selbst hier eine deutlich breitere Vielfalt in der Farbpalette als tiefdunkles schwarz oder blütenreines weiss. (Die ja irgendwie keine Farben sind und dennoch immer dafür herhalten müssen; wie gut breite Schultern zu haben.)

Es ist kein Geheimnis: Ich mag es eher bunt oder grau, vielleicht ab und an auch in knalligem pink. So kommt bei mir die absolut notwendige Marketingstrategie anders daher und führt manchmal zum Gedanken, dass ich gar keine verfolge. Doch als sogenannte Expertin (was auch immer das in einer Welt, die sich alle paar Sekunden verändert, bedeuten soll…) ist das natürlich alles andere als wahr. Meine Strategie ist nur halt eben meine Strategie. Was bedeutet, dass ich sie fokussiert verfolge, anpasse und analysiere. Stiller als von mir zu erwarten ist. Wer mit mir arbeitet, profitiert selbstverständlich von der Ganzheitlichkeit meiner Ansätze und meinem kompletten Erfahrungsschatz und ich teile intensiven Einblick in meine fundierte Gedankenwelt. Doch tatsächlich werde ich diese nie mit der ganzen Welt teilen, mögen die Versuche noch so gut sein.

Marketing hat den zweifelhaften Ruf der Manipulation und wer die Geschichte der Werbung beleuchtet, ist sich bewusst, dass dies nicht von ungefähr kommt. Dennoch ist es unberechtigt, dich davon ausbremsen zu lassen. Jeder Mensch hat selbst in der Hand, welchen Weg er verfolgt und wonach er sich ausrichtet. So wurde ich letztens beispielsweise ganz direkt auf einer bekannten Businessplattform damit konfrontiert, wie naiv ich denn sei, zu glauben, im Marketing zwischen Kunden und Anbietern sei in der Kommunikation Augenhöhe möglich. Ganz ehrlich: Alles ist möglich! Die Frage ist wohl eher, ob sie erwünscht ist. Doch in der Regel verraten Aussagen immer mehr über Sender als Empfänger.

Selbst habe ich jedoch lange genug aufgrund solcher Aussagen geglaubt, keine Ahnung zu haben. Es wurde mir exzellent eingeredet. Trotzdem blieb ich meiner Wahrheit treu und lebte froh nach meiner Devise mit den Schuhen an der Tür weiter. Diese dürfen nämlich dort stehen, weil in meiner Wohnung mehrere Menschen leben. Anzuziehen brauche ich sie mir dennoch nicht, denn ich habe ja eigene, die mir sehr gut passen. Und zur Not sind immer meine Füsse dabei, die mich sogar barfuss überallhin tragen.  

Etwas, worüber in Bezug auf Strategie und Bestsellerlisten „apropos“ immer noch selten gesprochen wird und was deutlich weiter verbreitet als andere Phänomene ist, spreche ich mit folgendem Gedankengang auf:
Wie hinter meinem Business steckt auch hinter solchen Listen etwas klug Gedachtes. 

Bekannte und mächtige Anbieter ermöglichen die Erfüllung deines Traums über Nacht, sogar den vom Mehrfachbestseller. Was du dafür tun musst? Finde es heraus. Eine kurze Suchmaschinenrecherche kann wie bei fast allem im Leben schon deutlich dabei unterstützen, den gesunden Menschenverstand mit Fakten zu untermauern. Ob ich damit sagen will, dass durch einige Stellschrauben über Nacht ein Erfolgsautor aus jedem werden? Tatsache. Was in diesem Buch steht? Nebensache. Halte dich einfach an die Regeln.


Dir gehen Fragen durch den Kopf?

Dann wie immer zuerst die gute Nachricht: Bei einer Orientierung „im Aussen“ dürfen diese einfach ausgeblendet werden, da komplett irrelevant. Doch wir waren ja mal bei den zwei Seiten, die es immer und überall gibt. Beim Preis, den es zu zahlen gilt. So werfe ich nun einfach unkommentiert den Gedanken in den Raum, der bei Entscheidungen und Denkprozessen zum Tragen kommen darf. Wer könnte bei einer Sache welches Eigeninteresse verfolge? Keine Sorge: Es gibt wenig Grund, das negativ zu betrachten. Der Mensch ist darauf ausgelegt, sich sein Leben zu erleichtern. Total viel Sinn also, so rein von der evolutionären Warte her betrachtet.

Zur Erleichterung teile ich natürlich gerne meine Entscheidungsgrundlage mit dir:

Kann ich damit leben und sind meine Werte damit in Einklang?

Wenn ja: Cool. Go for it und geniesse es.
Wenn nein: Such dir eine stimmige Lösung, die gibt es nämlich. Dann: Cool. Go for it und geniesse es. 

An dieser Stelle gebe ich offen zu, dass alles was diesem Vorgehen diametral gegenüber steht, ab und an Angst macht. Wieso vergessen wir so schnell und augenscheinlich gerne, wozu bei Geburt der gesunde Menschenverstand verteilt wurde? Relativ ehrlich und komplett nüchtern betrachtet ist die Antwort wohl in der Regel im kurzfristigen Profit zu finden. 

Ja, wir dürfen uns bewusst sein, dass alles im Leben immer zwei Seiten hat. Mindestens. Eine Frage des Preises, den wir zu zahlen bereit sind. Um ethisch zu bleiben in unseren unternehmerischen Entscheidungen. Nachhaltig zu wachsen. Unser Gegenüber genauso ernst zu nehmen, wie uns selbst. 

Für mich bedeutet das: Weiter geht es mit dem Spiel nach meinen Regeln, den Preis dafür zahle ich selbst. Und aus genau dem Grund arbeite ich persönlich mit Menschen, die wissen, wie wichtig Entspannung ist, um wach zu bleiben. Wie kostbar es ist, immer weiter Fragen zu stellen, ohne die Antwort zu suchen. Selbstwirksam an Verantwortung zu übernehmen. 

Als kleines Abschiedsgeschenk teile ich hier einige Gedanken, die ich mir während meines Prozesses so machte: 

Wieso soll ich da sein, wo alle sind und in einer Flut untergehen?
Entscheidungen für meinen Lebenstraum von anderen fällen lassen, wenn ich die Verantwortung dafür trage?
Wieso meine Ideen verändern, wenn sie doch zu mir kamen, um realisiert zu werden?
Wieso soll ich Zeit verstreichen lassen, wenn ich jetzt umsetzen kann?
Wieso soll ich tun, was alle tun, wenn ich doch nicht alle bin, sondern einfach ich selbst? 


Alles Liebe.
Bedingungslos.
 
Sabrina