Wie du mit Menschen und ihren Veränderungen umgehen kannst

Wie du mit Menschen und ihren Veränderungen umgehen kannst

Dieser Artikel erschien ursprünglich in einem meiner vorherigen Blogs sowie – wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht – in meinem allerersten eBook von April 2020. (Das findest du, wenn du Suchmaschinenrecherche betreibst oder bei mir nachfragst.) Nun habe ich mich am Pfingstsonntag an den Küchentisch gesetzt und ihn etwas umgeschrieben. Dies ist also die neue Version meiner Gedanken:

 

Wenn sich Menschen verändern

Aufgrund meiner Berufe durfte und darf ich seit jeher immer wieder neue Menschen kennenlernen, welche mit ihren Fragen an mich herantreten. In meiner Arbeit als Trauerbegleiterin begegnete mir von einem Kontakt diese Frage und da ich denke, dass dieser Gedanke einige Menschen umtreibt, versuche ich in diesem Artikel näher darauf einzugehen.

«Wie gehe ich damit um, wenn sich ein Mensch durch eine Krankheit so stark verändert, dass die geliebte Person bereits vor dem Tod verloren geht?»

 

Der Auslöser für diesen Text ist ein Vater, welcher sich durch Parkinson nach und nach verändert. Aus diesem Grund sind die unten aufgeführten Beispiele auf die Vaterfigur bezogen. Selbstverständlich sind sie allgemeingültig und verlieren ebenfalls keine Bedeutung, wenn sich ein Mensch „aus freien Stücken“ verändert. Dies geschieht beispielsweise durch die bewusste Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit oder auf dem Weg zum selbständigen Unternehmer. Bekannte Verhaltensmuster zu verändern, kann für das Umfeld teilweise befremdlich wirken und verdrängte Befürchtungen aufzeigen. Wie so oft, hilft hier gegenseitiges Verständnis und die Akzeptanz der steten Veränderung eröffnet neue gemeinsame Chancen. 

 

Alles neu und doch bekannt

Du kennst vielleicht aus eigener direkter oder indirekter Betroffenheit selbst Situationen, in denen nahestehende Personen mit sogenannten Schicksalsschlägen konfrontiert werden: Der Mann einer Freundin ist an Demenz erkrankt. Ein Bekannter bekam kurz nach seiner Rente die Krebsdiagnose. Deine ehemalige Ausbilderin rief beim letzten Zusammentreffen unzusammenhängende Sätze über den Bahnhofsvorplatz. Überfordernd im ersten Moment, ich weiss. Im zweiten, in Reflektion zuhause, wünscht man sich dann oft, anders reagiert zu haben. Doch Sprachlosigkeit ist normal, wenn das System mit neuen Botschaften konfrontiert wird. 

Viele Krankheiten verändern das Verhalten von Menschen, welche wir seit Jahren zu kennen glauben. Lange habe ich mich vor dem Schreiben dieses Artikels gedrückt, denn meine persönliche Betroffenheit kommt hier ebenfalls an die Oberfläche. Meine Mama hatte während meiner Jugend schwere depressive Phasen. Diese wurden irgendwann von psychotischen Zuständen, vergleichbar mit einer Schizophrenie, abgelöst. In dieser Zeit war sie weder sich selbst, noch verhielt sie sich mir gegenüber wie eine Mutter. Somit ist mir dieses Phänomen bestens bekannt und die Komplexität sehr vertraut. Ebenso kenne ich aus meiner Vergangenheit trübe Phasen von depressiver Verstimmung und verzweifelter Hoffnungslosigkeit. 

So manche Krankheit lässt bekannte Wesenszüge verschwinden. Nebst psychischen Erkrankungen weisen leider viele weitere Erkrankungen steigende Zahlen auf. Sei dies Krebs, begleitet von wesensverändernden Schmerzen. Tumore, welche auf das zentrale Nervensystem drücken, die Abhängigkeit von Substanzen. Bekannte Autoimmunerkrankungen oder ihnen im Verlauf ähnliche, so wie eben Parkinson. Oft genug rufen auch Wirkung und Nebenwirkung eingenommener Medikamente eine Persönlichkeitsveränderung hervor. 

 

Wie gehst Du also damit um, wenn du dich nach und nach von einem Menschen verabschiedest?

 

Raum für Erinnerungen schaffen

Erinnerungen sind das wertvollste Gut deines Lebens. Diese festzuhalten und aufzubereiten, ist unendlich kostbarer Bestandteil des Alltags. Vielleicht ist es dir sogar möglich, bei aktuellen Begegnungen neue Erinnerungen zu schaffen oder bestehende in einer passenden Form nochmals zu erleben. Dies gelingt zum Beispiel bei der Gestaltung eines Fotoalbums, welches ganz klassisch mit Schere, Leim und dickem Buch oder aber etwas moderner als Onlineversion gestaltet werden kann. Diese Tätigkeit kann mit der ganzen Familie zusammen erlebt werden. Vielleicht nutzt ihr sie sogar als Ritual? 

Gemeinsame Erinnerungsstücke überall dort zu verteilen, wo sich die betroffenen Person aufhält, kann sehr wirkungsvoll sein. So besteht die Möglichkeit, sich immer wieder an Erlebnisse zu erinnern, welche das Herz berühren. Es wird nämlich angenommen, dass tiefe Herzens-Verbindungen selbst dann gespürt werden, wenn sich im Aussen vieles verändert hat.

 

  

Gefühle zulassen 

Die Krankheit, welche sich ungefragt ins Leben schlich, macht oftmals wütend. Wut hat durchaus positive Eigenschaften, wenn diese dann doch eher den zweiten Blick benötigen und in unserer Gesellschaft eher aberkannt werden. Ein bekannter Aspekt ist jedoch, dass sie gerne dort deponiert wird, wo sie unnötigen Schaden anrichtet. Der dir gegenüberstehende Mensch hat sich diese Situation genau so wenig ausgesucht wie du. Wenn du also bemerkst, wütend zu sein oder werden, besuche die betroffene Person vielleicht etwas weniger als sonst oder verlasse gegebenenfalls den Raum. Du unterstützt mehr, wenn du etwas unternimmst, was dir selbst guttut. Gib deiner Wut ihren Raum. Vielleicht gehst du spazieren oder absolvierst eine Runde Kickboxen. Wonach immer Dir der Kopf steht: Dadurch reduzierst du die Gefahr mit deiner Wut emotionale Verletzungen zuzufügen.

 

Das Gleiche gilt für Momente der Traurigkeit. Trauerphasen treten nicht zwingend erst nach einem Verlust auf. Wenn du traurig bist, lass es zu. Es gibt jeden Grund, so zu fühlen. Denn auch wenn die geliebte Person weiterlebt, stirbt dennoch ein Teil von ihr. Diesen Verlust bewusst anzunehmen, hilft bei der Verarbeitung des Geschehenen. 

 

Vergissmeinnicht

Dies gilt für alles. Deine Gefühle, Deine Intuition und Deine Wahrnehmung. Lass Dir von niemandem einreden, dass du etwas falsch interpretierst. Wenn Du Deine eigene Wahrheit spürst, gewähre ihr Raum. Niemand kennt deine persönliche Sicht auf die Geschehnisse besser als du. Daher musst du dich für deine Ansichten weder rechtfertigen noch für getroffene Entscheidungen erklären. All das gilt übrigens immer – nicht nur in Ausnahmesituationen. 

Für einen gesunden Umgang mit Emotionen empfiehlt sich, die eigenen persönlichen Bedürfnisse nicht zu vergessen. Plane aktiv Pausen ein und versuche diese einzuhalten. Es hilft niemandem, wenn du dich an übermenschlichen Leistungen versuchst. Irgendwann wird sogar deine Energie verbraucht sein, doch dein Zusammenbruch kann dann keiner auffangen oder er führt zu einer unnötigen selbstverursachten Belastung. 


Versuche stattdessen ganz ehrlich mit deinen Kräften umzugehen und fordere rechtzeitig konkrete Unterstützung an. Dein Körper und Geist sind tatsächlich zu Höchstleistungen fähig. Jedoch hat jeder Akku seine Ladezeiten, sonst macht er schlapp. Sei also zu dir selbst nicht strenger als zu Deinem Smartphone. In der Regel freut sich Dein Umfeld über Unterstützungsmöglichkeiten. Helfen ist ein urmenschliches Bedürfnis. Doch nur wo dies zugelassen wird, können Wunder geschehen.  

 

An dieser Stelle mache ich auf die inspirierende Geschichte von Christine Braunmiller aufmerksam. Sie begleitete ihren Mann nach einem Hirninfarkt bis zu seinem Tod. In dieser Zeit war sie, wie sie selbst sagt „absolut am Limit und musste trotzdem das Rad am Laufen halten“. Ihr half dabei Qi Gong. Vielleicht magst du sie und ihre Geschichte kennenlernen, dann kannst du das auf ihrer Webseite. 

 

 

Abschied und Neuanfang

 

Es ist ein Balanceakt. Durch die Krankheit verlierst du den Menschen zu einem gewissen Teil. Was ihn bisher ausmachte, wird sich langsam verabschieden. Es kann helfen deinen Abschied mit Ritualen zu unterstützen. Gleichzeitig hilfst du damit der neuen Persönlichkeit deines Gegenübers. Wenn sich Verhaltensweisen verabschieden, kommen oftmals neue dazu. Diese zu akzeptieren, fällt oft schwer. Der Mensch hat gerne Einfluss, doch hier wird dieser durch Krankheit genommen. Versuche die Wünsche, Selbstbestimmung und Veränderung anzunehmen. Du darfst neue Erlebnisse bewusst wahrnehmen und entstehenden Gefühlen ihren Raum gewähren. Wenn Du es schaffst, mit möglichst wenig Vergleichen oder Bewertungen vorzugehen, ermöglichst Du neue Erinnerungen, welche ebenfalls sehr wertvoll sind.

 

Transparenz

Oftmals sind wir so stark durch unser eigenes Gedankenkarussell eingenommen, dass wir schlicht vergessen, die direkt betroffene Person miteinzubeziehen. Dies erachte ich jedoch als essenziell. Durch Schweigen wird nix leichter. Im Gegenteil: So gut du den betroffenen Menschen kennst, wird er wahrscheinlich auch dich kennen. Somit bemerkt er bestimmt sofort, wenn du etwas verschweigst. Das Ding ist jedoch: Wo Geheimnisse sind, entsteht Raum für Spekulationen. Diese beheimaten meist unnötige und destruktive Gedanken und Gefühle und diese schaffen in Kürze neue Realitäten. Durch klärende Gespräche können solche Gefahren gebannt und das gegenseitige Verständnis intensiviert werden.

 

Perspektivwechsel

Nebst all den erschwerenden Aspekten verbirgt sich hier ein Geschenk. Nämlich die Chance, des noch besseren Kennenlernens, sich erinnern und bewusst Abschied nehmen zu dürfen. Klar, diesen Umstand kannst du kaum jeden Tag aus dieser Perspektive betrachten. Es hilft jedoch, den Gedanken zuzulassen und den Fokus zu verändern. Weg von dem, was du alles verlierst, hin zur Erkenntnis, wie schön es ist, diese Situation gemeinsam zu meistern. Wenn auch vielleicht jeder für sich.  

 

 

Im Endeffekt gelten diese Beispiele oben für jede Situation, nicht nur bei Krankheit. Unabhängig davon, ob eine Person bereits gestorben ist oder noch komplett gesund hier weilt. Sich bewusst zu werden, wie unendlich kostbar diese Momente sind, erfüllt mit tiefer Dankbarkeit. Das Geschenk von Liebe wiegt auf, was die Zukunft bringt. Darum bleibt am Ende des Tages diese Liebe allumfassend gültig. Zeige deinen Mitmenschen, was du für sie empfindest. Solange, oft und ehrlich du kannst. Unabhängig der Weihnachtszeit oder anderen Faktoren wie Stress, Streit und Befürchtungen.

 

Alles Liebe.
Bedingunglos.

Sabrina

PS:
Wer aus Liebe zusammen fand, kann sich nie verlieren.

Beziehungen und ihre Herausforderungen

Beziehungen und ihre Herausforderungen

“Das kannst du doch nicht sagen/tun.”

“So wird das niemals funktionieren.”

“Mach das besser mal anders oder am Besten genau so und so…”

“Also ich hätte das ja nie gemacht.”

„Das war jetzt aber echt ein fataler Fehler.”

„An deiner Stelle hätte ich…“

Wer kennt sie nicht, solche gutgemeinten Ratschläge. Gerne von Leuten, die nicht das erreicht haben, was das eigene Ziel ist. Gerne solche, die ihr Lebensziel noch nicht mal erahnen. Kein Ding, kann man so machen, ist absolut legitim. Darf jedoch auch leise, also ohne Töne, umgesetzt werden.

Wenn ich eines gelernt habe über die letzten Jahre – besonders auch im Kontext meiner Ausbildung als Trauerbegleiterin und der darauf folgenden Zeit, dann, dass nicht alles, was andere Menschen tun, zwingend von jedem Einzelnen kommentiert werden muss. Nein, echt nicht. Selbst dann nicht, wenn man es doch “bloss gut meint.” Erst recht nicht in diesem Fall. Und eigentlich möchte ich hier nachschärfen, denn es reicht auch, wenn du das bei keinem Menschen ungefragt tust. Ja. Wirklich. Da bin ich mir ganz sicher. Und nein, diskutieren oder lauter schreien bringt wenig bis gar nix und gibt keinesfalls mehr Recht. 

 

Kurze Frage sei an dieser Stelle erlaubt:

Wieso nutzt du deine wertvolle Lebenszeit dazu, dir Gedanken darüber zu machen, was dein Gegenüber tut, wenn bei dir selbst keine Klarheit herrscht?

 

Ratschläge sind und bleiben halt immer auch Schläge. Besonders wenn sie einen ungefragt von der Seite oder hinten erwischen, können sie einfach weh tun. Das war es an dieser Stelle schon mit Mehrwert, wir fassen uns nämlich kurz hier. Denn ich mag persönliche Kompromisse eher weniger, sondern stehe eher auf das Ding, was sich Konsens nennt. Braucht in der Regel bloss zwei Menschen und Augenhöhe, das war´s eigentlich schon.   

Zum Einstieg dieser Zeilen möchte ich abschliessend meine Antwort auf die Aussage “Das kannst du so nicht sagen” teilen. Diese wurde einszueins von mir verwendet und darf gerne übernommen werden. “Du siehst ja, dass ich es kann, sonst hättest du es ja nicht eben von mir gehört. Oder traust du etwa deinen eigenen Ohren nicht?”

Was meinen Mund verlässt wird von allem begleitet, was ich zu bieten habe. Das bedeutet du kriegst mein volles Herz und mitgebrachten Hausverstand.

Ganz ehrlich: Kein Mensch ist blöd und jeder gibt das Beste, das persönlich möglich ist. Besonders ist keine Aussage in Stein gemeisselt und jede Wahrheit recht individuell. Wenn das für dich noch Verhandlungsspielraum frei hält, greife ich aufgrund fehlender Diskussionsebene gleich nochmals auf ein Zitat zurück. Dieses Mal von meinem Schwiegervater selig. “Das ist dein Problem, du darfst es gerne behalten.” 

Das Prinzip der Liebe funktioniert eben anders als nach der Devise “Sei wie ich dich haben will oder ich bestrafe dich.” Besonders die bedingungslose Liebe, die bei mir inzwischen Parameter für meine Entscheidungen darstellt und höchster Grundwert zugleich ist. Was nicht aus Liebe besteht, hat keinerlei Bestand mehr. Und ja, das gilt bei mir tatsächlich auch in der Arbeit mit Kunden. Denn das Leben ist zu kurz, um mit Menschen zu arbeiten, die möchten, dass ich mich verändere, damit es ihnen leichter fällt mir ihre eigene Verantwortung überzustülpen, um ihre eigenen Schultern dadurch zu entlasten und selbst wegschauen zu können.

Meine Wahrheit ist die, dass wir in der Welt wahrhaft Grossartiges vollbracht haben, wenn jeder Mensch bei sich selbst ist und bleibt. Also geben wir doch weiterhin achtsam unser Bestes. Das ist gut genug. Immer. Wir wissen nie, wie unsere Worte beim Gegenüber ankommen und was durch sie ausgelöst wird. Richten wir unseren Blick doch vermehrt in unser eigenes Innere statt ihn aussen umherschweifen zu lassen.

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Ach und wenn du dich fragst, wer dir denn jetzt deine Webseitentexte gegenliest oder Angebote „probenutzt“ und dir darauf Feedback gibt, dann schlage ich das einzig Sinnvolle vor: Jemand aus deiner Zielgruppe, ein Wunschkunde. Oder ein Mensch wie ich, der sich durch jahrelanges Training neutrale Kundenbrillen aufziehen sowie durch eigenen Erfahrungsschatz unternehmensstärkende Vogel-Fremd-Perspektiven einnehmen kann. Und der aus Interesse an deiner Person komplett ehrlich ist und nicht aus Eigeninteresse etwas anderes erzählt.

Alles Liebe.
Sabrina

Über Buchveröffentlichungen, Verlagssuche und sonstige Alltagsentscheidungen einer selbständigen Unternehmerin in wandelnden Zeiten

Über Buchveröffentlichungen, Verlagssuche und sonstige Alltagsentscheidungen einer selbständigen Unternehmerin in wandelnden Zeiten

Ich weiss, ich weiss. Ein Buch zu veröffentlichen ist (d)ein grosser Traum. Noch grösser der, das Buch danach in Schaufenstern von Buchhandlungen entdecken zu können und mindestens den eigenen Namen auf der Bestsellerliste zu lesen. Mit deiner Botschaft die Welt zu erreichen und ein Stück besser zu machen. Absolut verständlich. 

Doch leider verbergen Träume ja immer das Potenzial ungelebt zu bleiben. Hintergrund sind verschiedene Gründe und auf die Gefahr hin bei dir lautes Augenrollen zu kassieren, zitiere ich an dieser Stelle altbekannte Weisheitsphrasen, die auch hier zum Tragen kommen kann: 

  • Erstens:
    Mehr Schein als Schein blendet statt zu glänzen.

  • Zweitens:
    Der Blick nach links und rechts oder dem gefühlten “OBEN” neigt dazu, sich einschüchtern zu lassen und das eigene Buch entweder nie zu schreiben oder halt unveröffentlicht in der Schublade liegen zu lassen. (Das gilt für jede Idee…)

  • Drittens:
    Arbeit kann aufwandsintensiver eingeschätzt werden, als sie wirklich ist. Besonders, da du sie aufgrund fehlender Erfahrung falsch einschätzt. 


Butter bei die Fische:
Mir ging es lange selbst so.
Der Wunsch nach meinem eigenen Buch begleitete mich seit meiner frühen Kindheit und irgendwann realisierte ich, dass die magische Linie des achtzehnten Geburtstags schon länger überschritten war. (Ja, graue Haare können tatsächlich eine Bedeutung haben…) Gleichzeitig wurde mir von jetzt auf gleich klar, dass sogar mein Leben endlich ist und tatsächlich irgendwann endet. Dummerweise vielleicht sogar ohne Ankündigung des WANN. Wenn ich Glück habe, geht es noch ganz lange weiter, was natürlich super schön ist, doch gleichzeitig viel Zeit beinhaltet, in der ich bereuen kann, was ich verpasse. So beispielsweise meine Leidenschaft vom Schreiben, weshalb ich also meinen inneren Saboteur belächelte, den Verstand ignorierte, meine Kopfhörer aufsetzte und zur Tat schritt – äääh – an den Schreibtisch rollte. Ohne wirklich Worte darüber zu verlieren, was ich vorhabe. Übrigens etwas, das tatsächlich außerhalb eines Lockdowns ebenfalls möglich ist. Leben statt reden nenne ich das oder auf Schweizerdeutsch:

“Liefere statt lafere.”


Innerhalb eines Jahres veröffentlichte ich zwei Bücher in Printversion. Fast nebenbei, wie es wohl scheint. Beide Werke erschienen bewusst ohne Verlagssuche und mit Verzicht auf den Vertrieb über Buchhandlungen oder den Versuch irgendwelche Listen zu erklimmen, um dadurch etwas darzustellen. Selbst wenn ich davon ausgehe, dass es nicht meine letzten Werke waren, möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen, dass jede Entscheidung im Leben zwei Seiten hat. So bezahlte ich für meine Entscheidungen einen Preis, der nebst Geld einen weiteren (höheren) Wert aufweist. Kein Bedauern liegt in diesen Worten, nur Transparenz. 

Bei meinem zweiten und noch eigenständigeren Werk – dem “Los des Lassens” – kann ich endlich auf das grosse OnlineBusiness-orangefarbene A verzichten, das Waren versendet und so was… Es ist bekannt: Monopolismus schmeckt mir einfach nicht und ich kenne nur zu genau verschiedenste Perspektiven davon. War ich doch jahrelang beruflich damit beschäftigt. In jeder nur erdenklichen Position und in einer Branche, die dazu da ist, das wichtigste Gut des Menschen zu verwalten…

Zurück zum Glück: Der komplette Prozess meines Buches war eigentlich ganz einfach. Doch ich zitiere an dieser Stelle gerne mein Tshirt.

Was bedeutet eigentlich eigentlich?


Nun:
Als Initiatorin war ich gleichzeitig Projektkoordinatorin. Von A bis Z lief der komplette Prozess über mich und ich setzte alles selbst um, was meinem Stärkeprofil entspricht. Der Rest wurde an sympathische Profis ausgelagert. Wirtschaftliche Effizienz heisst nämlich nicht, sich jedwedes Fachwissen selbst anzueignen, sondern das zu tun, worin man gut ist. Es heisst aber auch nie, sofort und direkt alles auszulagern, was einem auf den ersten Blick ängstigt. Mehr am statt im Unternehmen zu arbeiten bedeutet deutlich mehr als das. 

Aber weiter im Text: Bedeutet das in Kurzfassung (oder meiner allseits beliebten Marketing-Nussschale) nun, dass alles ganz leicht war und das Ding der Buchveröffentlichung ein Spaziergang? Ganz ehrlich: Als ich mich an mein erstes Werk setzte, hatte ich keine Ahnung von Büchern. Ja, okay, seit ich sechs bin schaffe ich es, Wörter in einer Reihe niederzuschreiben und ab und an mit Satzzeichen zu garnieren. Auch veröffentlicht hatte ich zu dem Zeitpunkt schon einige Texte. 

Doch das, was mich erwartete, war jenseits eines Ponyhof-Lebens, wenn auch die Menge an Mist, der mir begegnete wohl vergleichbar damit ist. Es war alles andere als leicht und damit meine ich nicht nur die sichtbaren Prozesse rund um die Veröffentlichung.


Hier ein homöopathischer Ansatz aus gefühlt einer Million zu treffender Entscheidungen, wenn du dich für ein Buch entscheidest:

Für welche der schier unendlichen Möglichkeiten an Veröffentlichungsarten entscheide ich mich?
Was sind die allgemeinen und persönlichen Vor- und Nachteile davon?
Wie finanziere ich mein Werk? (Mit Geld, na klar, doch es darf ja nachher auch noch welches da sein, nicht wahr?)
Wie komme ich an ein Cover? Und was bitte ist ein Premade und wieso gibt es da nur Bilder, die irgendwie gruselig sind für meine Augen?
Was ist ein Buchsatz und HILFE, ich kann ja noch immer nicht mal Excel, wie soll das denn gehen?
Wie lade ich am Ende das fertige Werk – in welcher Datei auch immer… – wo hoch?
Wie war das jetzt nochmals mit den Massen?
Wie schreibe ich Klappentext und eine Autorenbiographie ohne den Leser vor Gähnen hintenüber vom Stuhl kippen zu lassen?

(An dieser Stelle erlaube ich mir den Hinweis, dass eine Aufgabe von Marketing tatsächlich Unterhaltung und so gar nicht böse ist. Denn ich lese sie immer noch zu oft und suche weiterhin den Mehrwert in Sätzen wie folgender Beschreibung: „Seit ihrer Kindheit liebt Sabrina das Schreiben.“ Als Leser würde ich mich dezent wundern und mir die Frage stellen: „Aha, wie schön und warum kann sie mir aufgrund dieser Erfahrung was zum Tod mitteilen, das mein Leben verändern soll?“


Komplett ausser acht….
… lasse ich vorerst die automatisch begleitende Schattenarbeit rund um die Sichtbarkeit mit der eigenen Wahrheit. Tatsächlich habe ich mich erneut am Ende selbst ausgetrickst und mir kurzfristig zusätzliche Unterstützung geholt, die mich dabei begleitete, den “Veröffentlichungs-Button” zu drücken. Ansonsten wäre mein erstes Werk immer noch ein Schubladenbuch und ich könnte mich dahinter verstecken, dass “halt einfach noch was fehlt”.

Warum habe ich es denn überhaupt getan, wenn doch so manche schlaflosen Nächte damit verbunden sind und waren? Geld war auf jeden Fall eher weniger Antrieb. So muss ich enttäuschen, wer meint, ein Buch zu veröffentlichen macht – ob mit oder ohne Verlag – über Nacht das Konto voll. Das ist schlicht falsch und soll/ darf vor Veröffentlichung jedem so glasklar sein wie mir. Ein Buch hat einen unendlich hohen Wert, kann jedoch gut budgetiert werden. Muss es aber auch, da wie mit allem, was nachhaltig aufgebaut ist, Geld nicht das kurzfristige Ziel darstellt. Die Illusion, dass Autoren aus Prinzip reich sind, kann ich super simpel widerlegen, was ich mir jedoch für persönliche Gespräche vorbehalte. Eine andere Sache ist die Vorstellung, dass Künstler für ihre Kunst zu leben haben statt davon. Brotlose Kunst – was reden wir unseren Kindern damit ein? Anderes Thema, wohl bald mal neue Artikel wert, wie ich gerade spüre. Oh fast vergessen. Die Einstiegfrage war, warum ich es getan habe. Ganz simple Antwort. Etwas Jux und Tollerei, strategisches Invest in meine Selbständigkeit, wichtiger Lernprozess und besonders die Erfüllung eines Lebenstraums.

Zurück also zu den Seiten, die seit jeher meine Welt bedeuteten: Den Büchern. 

Nein, ich sage keinesfalls, dass eine Veröffentlichung auf klassischem Weg falsch ist. Keine Entscheidung kann je die falsche sein. Solange sie aus Fülle getroffen wird und im aktuellen Moment stimmig ist. 

Freiheit und Eigensinn statt unternehmerischem Biss und Sachverstand?

Klar, wer mich etwas kennt, kann sich zum Gedanken verleiten lassen, dass mich der hohe Wert an Unabhängigkeit zur Publikation in Selbstverlag und der Gründung als Verlegerin verleitete. Doch wie überall im Leben existiert selbst hier eine deutlich breitere Vielfalt in der Farbpalette als tiefdunkles schwarz oder blütenreines weiss. (Die ja irgendwie keine Farben sind und dennoch immer dafür herhalten müssen; wie gut breite Schultern zu haben.)

Es ist kein Geheimnis: Ich mag es eher bunt oder grau, vielleicht ab und an auch in knalligem pink. So kommt bei mir die absolut notwendige Marketingstrategie anders daher und führt manchmal zum Gedanken, dass ich gar keine verfolge. Doch als sogenannte Expertin (was auch immer das in einer Welt, die sich alle paar Sekunden verändert, bedeuten soll…) ist das natürlich alles andere als wahr. Meine Strategie ist nur halt eben meine Strategie. Was bedeutet, dass ich sie fokussiert verfolge, anpasse und analysiere. Stiller als von mir zu erwarten ist. Wer mit mir arbeitet, profitiert selbstverständlich von der Ganzheitlichkeit meiner Ansätze und meinem kompletten Erfahrungsschatz und ich teile intensiven Einblick in meine fundierte Gedankenwelt. Doch tatsächlich werde ich diese nie mit der ganzen Welt teilen, mögen die Versuche noch so gut sein.

Marketing hat den zweifelhaften Ruf der Manipulation und wer die Geschichte der Werbung beleuchtet, ist sich bewusst, dass dies nicht von ungefähr kommt. Dennoch ist es unberechtigt, dich davon ausbremsen zu lassen. Jeder Mensch hat selbst in der Hand, welchen Weg er verfolgt und wonach er sich ausrichtet. So wurde ich letztens beispielsweise ganz direkt auf einer bekannten Businessplattform damit konfrontiert, wie naiv ich denn sei, zu glauben, im Marketing zwischen Kunden und Anbietern sei in der Kommunikation Augenhöhe möglich. Ganz ehrlich: Alles ist möglich! Die Frage ist wohl eher, ob sie erwünscht ist. Doch in der Regel verraten Aussagen immer mehr über Sender als Empfänger.

Selbst habe ich jedoch lange genug aufgrund solcher Aussagen geglaubt, keine Ahnung zu haben. Es wurde mir exzellent eingeredet. Trotzdem blieb ich meiner Wahrheit treu und lebte froh nach meiner Devise mit den Schuhen an der Tür weiter. Diese dürfen nämlich dort stehen, weil in meiner Wohnung mehrere Menschen leben. Anzuziehen brauche ich sie mir dennoch nicht, denn ich habe ja eigene, die mir sehr gut passen. Und zur Not sind immer meine Füsse dabei, die mich sogar barfuss überallhin tragen.  

Etwas, worüber in Bezug auf Strategie und Bestsellerlisten „apropos“ immer noch selten gesprochen wird und was deutlich weiter verbreitet als andere Phänomene ist, spreche ich mit folgendem Gedankengang auf:
Wie hinter meinem Business steckt auch hinter solchen Listen etwas klug Gedachtes. 

Bekannte und mächtige Anbieter ermöglichen die Erfüllung deines Traums über Nacht, sogar den vom Mehrfachbestseller. Was du dafür tun musst? Finde es heraus. Eine kurze Suchmaschinenrecherche kann wie bei fast allem im Leben schon deutlich dabei unterstützen, den gesunden Menschenverstand mit Fakten zu untermauern. Ob ich damit sagen will, dass durch einige Stellschrauben über Nacht ein Erfolgsautor aus jedem werden? Tatsache. Was in diesem Buch steht? Nebensache. Halte dich einfach an die Regeln.


Dir gehen Fragen durch den Kopf?

Dann wie immer zuerst die gute Nachricht: Bei einer Orientierung „im Aussen“ dürfen diese einfach ausgeblendet werden, da komplett irrelevant. Doch wir waren ja mal bei den zwei Seiten, die es immer und überall gibt. Beim Preis, den es zu zahlen gilt. So werfe ich nun einfach unkommentiert den Gedanken in den Raum, der bei Entscheidungen und Denkprozessen zum Tragen kommen darf. Wer könnte bei einer Sache welches Eigeninteresse verfolge? Keine Sorge: Es gibt wenig Grund, das negativ zu betrachten. Der Mensch ist darauf ausgelegt, sich sein Leben zu erleichtern. Total viel Sinn also, so rein von der evolutionären Warte her betrachtet.

Zur Erleichterung teile ich natürlich gerne meine Entscheidungsgrundlage mit dir:

Kann ich damit leben und sind meine Werte damit in Einklang?

Wenn ja: Cool. Go for it und geniesse es.
Wenn nein: Such dir eine stimmige Lösung, die gibt es nämlich. Dann: Cool. Go for it und geniesse es. 

An dieser Stelle gebe ich offen zu, dass alles was diesem Vorgehen diametral gegenüber steht, ab und an Angst macht. Wieso vergessen wir so schnell und augenscheinlich gerne, wozu bei Geburt der gesunde Menschenverstand verteilt wurde? Relativ ehrlich und komplett nüchtern betrachtet ist die Antwort wohl in der Regel im kurzfristigen Profit zu finden. 

Ja, wir dürfen uns bewusst sein, dass alles im Leben immer zwei Seiten hat. Mindestens. Eine Frage des Preises, den wir zu zahlen bereit sind. Um ethisch zu bleiben in unseren unternehmerischen Entscheidungen. Nachhaltig zu wachsen. Unser Gegenüber genauso ernst zu nehmen, wie uns selbst. 

Für mich bedeutet das: Weiter geht es mit dem Spiel nach meinen Regeln, den Preis dafür zahle ich selbst. Und aus genau dem Grund arbeite ich persönlich mit Menschen, die wissen, wie wichtig Entspannung ist, um wach zu bleiben. Wie kostbar es ist, immer weiter Fragen zu stellen, ohne die Antwort zu suchen. Selbstwirksam an Verantwortung zu übernehmen. 

Als kleines Abschiedsgeschenk teile ich hier einige Gedanken, die ich mir während meines Prozesses so machte: 

Wieso soll ich da sein, wo alle sind und in einer Flut untergehen?
Entscheidungen für meinen Lebenstraum von anderen fällen lassen, wenn ich die Verantwortung dafür trage?
Wieso meine Ideen verändern, wenn sie doch zu mir kamen, um realisiert zu werden?
Wieso soll ich Zeit verstreichen lassen, wenn ich jetzt umsetzen kann?
Wieso soll ich tun, was alle tun, wenn ich doch nicht alle bin, sondern einfach ich selbst? 


Alles Liebe.
Bedingungslos.
 
Sabrina